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Berichte von der Demo in Berlin am 2. und 3. Oktober 2026 –
Große Bühne für Protest gegen Aufrüstung und Wehrpflicht
Mehr als 20.000 größtenteils sehr junge Menschen, darunter viele Schüler*innen, haben am Freitag, 2. Oktober bei der "Unzwingbar"-Konzertkundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen Aufrüstung, Kriege und die drohende Wehrpflicht protestiert. Auf der Bühne kamen vor allem junge Menschen zu Wort. Sie beleuchteten die negativen Folgen der Militarisierung unserer Gesellschaft und forderten eine lebenswerte und friedliche Zukunft.
"Die Bundesregierung plant bei den sogenannten „Sozialreformen“ Kürzungen, obwohl bereits jetzt fast jede 6. Person in Deutschland in Armut lebt! Für Aufrüstung gibt es Sondervermögen, für uns nichts! Und trotzdem sollen wir alle „kriegstüchtig“ sein! (...) Als Gesundheitspersonal haben wir unsere Berufe gewählt, um das Leiden von Menschen zu verringern und nicht um dabei mitzuhelfen, wenn sich Unschuldige für die Interessen ihrer Regierungen gegenseitig abschlachten müssen! Spätestens beim aktuell stattfindenden Sozialabbau und der geplanten Verletzung unserer Grundrechte durch Zwangsverpflichtung, sei es als Soldat*innen oder in zivilen Einrichtungen, ist klar: Es geht hier nicht um die Verteidigung von Freiheit, Demokratie oder Menschenrechten!", erklärte die IPPNW-Medizinstudierende Laetitia Malotka bei ihrer Rede. Lesen Sie mehr unter https://www.friedenskooperative.de/unzwingbar/reden/laetitia-malotka-berlin
Neben Vertreter*innen der Schülerstreiks und von GEW-Jugend, Greenpeace und BUND-Jugend sprach der Satiriker Martin Sonneborn, der in Bundeswehruniform in gewohnt provokanter Manier erklärte: "Während sie in der Vergangenheit noch alle paar Jahre diskutiert haben, ob man euch Ballerspiele zumuten kann, haben sie jetzt kein Problem damit, euch direkt zum Ballern zu schicken!"
Weitere Redner berichteten von ihrer Entscheidung zur Verweigerung des Militärdienstes. Jürgen Grässlin, DFG-VK-Mitglied, Autor und Rüstungskritiker, berichtete, dass seine Erfahrungen während seines Wehrdienstes ihn dazu brachten, Pazifist zu werden und zu verweigern. Und Soul Tsalik, ein Aktivist und Kriegsdienstverweigerer aus Israel, erzählte seine beeindruckende Geschichte.
Die Redebeiträge wechselten mit Musikacts ab. Der Rapper Disarstar sang sein Lied „Meine Söhne geb ich nicht“, ein antimilitaristisches Statement gegen die aktuelle Debatte um eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland und eine Reminiszenz an Reinhard Mey. Symbolträchtig war der Auftritt der bekannten Rostocker Punk-Band Dritte Wahl, die schon zu DDR-Zeiten ein Lied gegen die NVA geschrieben hatte. Eindrucksvoll war auch der gemeinsame Auftritt des DJs "I'm DMA" - ursprünglich aus St. Petersburg - mit der Berliner Techno-Tekk-Combo "Guterzogene Asis". "I'm DMA" ist nach Deutschland gekommen, um nicht in der Ukraine kämpfen zu müssen. Krönender Höhepunkt der Kundgebung war der Auftritt der Hip Hop Formation K.I.Z, u.a. mit ihrem Lied "Frieden". "Wir träumen von Frieden", sang die Menge lauthals mit und dann "Doch erst müssen wir gewinnen" als Satire auf die kriegstreiberische und heuchlerische westliche Politik. Alle Künstler*innen haben ohne Gage gesungen.
"Unzwingbar" war die deutschlandweit erste Konzertkundgebung gegen die Wehrpflicht - und ein gelungener Brückenschlag: Junge Menschen, Friedensorganisationen, Gewerkschaften und Umweltbewegung haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam drängende friedens- und gesellschaftspolitische Forderungen auf die Straße zu tragen.
Alle Reden gibt es auf der Unzwingbar-Homepage https://www.unzwingbar.de/#programm
Fotos von der Kundgebung finden Sie auf unserem Flickr-Kanal unter https://www.flickr.com/photos/ippnw/albums/72177720335978698 Hier noch Fotos auf dem Flickr-Kanal vom Netzwerkfriedenskooperative https://www.flickr.com/photos/friekoop/albums/72177720335429358/
Einen Bericht von Simon Bödecker von "Ohne Rüstung leben" gibt es hier https://www.ohne-ruestung-leben.de/nachrichten/article/grosse-buehne-protest-gegen-wehrpflicht-2-oktober-2026-unzwingbar-konzert-kundgebung-872.html
Die abschließende Bündnis-Pressemitteilung finden Sie unter https://www.ippnw.de/startseite/artikel/de/grosse-buehne-fuer-protest-gegen-aufrues.html Alle Pressemitteilungen gibt es hier https://www.unzwingbar.de/aktuelles/
(Quelle: Bericht Angelika Wilmen, IPPNW)
Demos in Berlin und Stuttgart am 3. Oktober 2026
"Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg! Für Frieden, demokratische rechte und soziale Sicherheit!"

Bild: Auch das Kieler Friedensforum war auf der Demo dabei
Von der Demonstration in Stuttgart am 3.10. wird von ca. 15.000 Teilnehmerinnen berichtet. In Berlin waren es laut Angaben der Veranstalter 20.000 Teilnehmerinnen.
Nicht nur gegen die Militarisierung des Gesundheitswesens und für die Ächtung der Atomwaffen wurde demonstriert, vielmehr beteiligte sich ein breites und buntes gesellschaftliches Spektrum von Gruppen und Menschen an der Demo, die vom Brandenburger Tor über "Unter den Linden" Richtung Friedrichsstraße und wieder zurück führte und so zeitweise beide Seiten der Berliner Zentralachse komplett einnahm.
Großen Raum nahm dabei besonders der Krieg in der Ukraine ein, der durch immer mehr westliches Geld und Waffen im Begriff ist, zu einem offenen Krieg zwischen NATO und Russland zu eskalieren und zu dem Außenminister Lawrow am 06.09.26 von der Tagesschau mit dem Satz zitiert wurde: "Merz erklärt uns faktisch den Krieg."
Aber nicht nur: Thematisiert wurde auch der Krieg in Gaza, zu dem der IGH wegen Völkermord ermittelt (mit dem Vorwurf der Beihilfe durch Deutschland), der US-israelische Angriffskrieg gegen den Iran (für dessen Führung die US-Basen in Deutschland maßgeblich sind und dessen Völkerrechtswidrigkeit durch den Bundeskanzler wiederholt relativiert wurde, Stichwort "Drecksarbeit") sowie der völker- und menschenrechtswidrige Versuch, Kuba mittels Wirtschaftskrieg zu erdrosseln (mit deutscher Beteiligung).
Vor allem aber das Programm der "Kriegstüchtigkeit" - mit einer Hochrüstung für Hunderte Milliarden von Euro, finanziert aus einem Schattenhaushalt sogenannter Sondervermögen aus nach oben offener Verschuldung (nach Verfassungsänderung) sowie dem aktuell erlebten Sozialkahlschlag. Dessen maßgebliche Rolle für die Finanzierung der Megarüstung, die von Regierung, Medien und bisher auch Gewerkschaften verschwiegen wird, wurde in Berlin von deutlich hör- und sichtbaren gewerkschaftlichen Stimmen ans Licht geholt - etwa von der Rednerin Monika Koops von Verdi Hamburg.
Auch die Jugend war laut hörbar vertreten - in der Breite, in mehreren Blöcken und mit der Rednerin Karla Wolf vom Schulstreikbündnis gegen die Wehrpflicht. Die Jugendlichen skandierten immer wieder: "Die Reichen wollen Krieg - die Jugend eine Zukunft!" Christian Leye (BSW) und Sören Pellmann (Co-Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag) traten auf gleicher Bühne auf.
Maria Buchwitz vom pax-christi-Bundesvorstand forderte Friedensfähigkeit aus christlicher Warte und die Sozialwissenschaftlerin May Zeidani Yufanyi aus einer jüdisch-palästinensischen Familie setzte einen bewegenden persönlichen Schlussakkord.
Große Beachtung fand auch die Rede von Prof. Dr. Johannes Varwick, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Beziehungen und europäische Politik von der Universität Halle-Wittenberg: Ursprünglich Transatlantiker fordert er inzwischen vehement eine Verständigung mit Russland und eine gemeinsame neue Friedensordnung als existenziell notwendig für Europa. Sein Beitrag wird u.a. hier interessant reflektiert: https://seniora.org/politik-wirtschaft/deutschland/norbert-haering-bericht-und-kommentar-zur-friedensdemo-in-berlin und ist hier als PDF (Rede von Prof. Dr. Johannes Varwick) lesbar.
Für ausgezeichnete Stimmung sorgten auch das Wetter und die kabarettistische und musikalische Umrahmung. Trotz leider fehlender Werbung und Unterstützung durch unsere Organisation würde ich eine deutliche Verbreiterung bzgl. TeilnehmerInnenzahl und beteiligtem gesellschaftlichem Spektrum (incl. gewerkschaftlicher Beteiligung) konstatieren. Schade war, dass durch eine Sonderbehandlung des Palästina-Blocks die Demo zeitweise aufgehalten wurde - es blieb hier aber vollständig friedlich. Weitere Bilder von der Demo: https://www.flickr.com/photos/frikoberlin/albums/72177720335958542 sowie als Attachments.
Anders als bei der Stuttgarter Demo - über deren insgesamt ebenfalls sehr positiven Inhalt und Verlauf bereits ausführlich berichtet wurde. Dort wurde die Rednerin Sevim Dagdelen* auf der Bühne von sich als Antifaschisten gerierenden Schwarzvermummten angegriffen, was zu einem Polizeieinsatz führte. Ein Bericht dazu findet sich hier: https://perspectac.de/artikel/3-oktober-was-sind-das-fuer-antifaschisten-was-sind-das-fuer-linke (entnommen einer Mail der AG Globalisierung und Krieg). Die dort aufgeworfenen Fragen sollten mE. uns alle zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
(Quelle: Bericht Christoph Krämer, IPPNW)
* Rede am 03.10.26 in Stuttgart: https://www.sevimdagdelen.de/wir-haben-eure-kriegsluegen-satt
Weitere Berichte und Stellungnahmen unter https://friedensdemo0310.org