Warum wohnst Du, wo Du wohnst?

Sozialer Wohnungsbau vs. Gentrifizierung

Eine Diskussion über wohnungspolitische Forderungen an die Kieler Stadtpolitik findet am 1. Juni 19 Uhr im Medusahof in Gaarden (Medusastr. 16) statt. Wir laden herzlich ein, sich in diesen Prozess einzubringen. Eine Stadt für Alle werden wir nur gemeinsam erkämpfen! Hier folgt ein Bericht der letzten Veranstaltung:  

Die Lage auf dem Kieler Wohnungsmarkt war Thema einer Veranstaltung des stadtpolitischen Ratschlags am 17. Mai in der Räucherei. Zur Einstimmung wurde ein Film über die Situationen in München und Wien gezeigt. In München explodieren seit Jahren die Mietpreise auf mittlerweile 15-18 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. In Wien dagegen, das ebenso schnell wächst und ähnlich viele Einwohner_innen hat, existiert keine Wohnungsnot und selbst in der Innenstadt können sich Geringverdiener_innen noch Wohnungen leisten. Der Grund für diese unterschiedlichen Entwicklungen ist der soziale Wohnungsbau. Während in Wien dauerhaft 2/3 der Wohnungen sozial gefördert werden und zu großen Teilen in öffentlicher Hand sind, fallen in München pro Jahr ca. 3500 Wohnungen netto aus der Sozialbindung heraus. 

Nach dem Film stellte Marco Höne, Mitglied des Kieler Wirtschaftsausschusses für DIE LINKE, die Lage in Kiel dar. Erst seit kurzem wird dem Thema steigende Mieten auch von der Mehrheit im Rathaus Beachtung geschenkt. SPD, GRÜNE und SSW bewegen sich allerdings viel zu langsam. Trotz eines Beschlusses bei Neubauprojekten grundsätzlich auf 30% Sozialwohnungsbau zu bestehen, werden für Wohnungen in guter Lage immer wieder Ausnahmen beschlossen. Ein Beispiel dafür ist die Baustelle neben der Nikolaikirche, wo der Investor mit 0% sozial gebundenem Wohnraum eine fulminante Rendite einstreichen wird. Ähnliches ist in den teuren Lagen auf dem Hörngelände oder beim wassernahen MFG 5 – Gelände zwischen Holtenau und Friedrichsort zu erwarten, wenn dort Wohnungen entstehen. Öffentlicher sozialer Wohnungsbau, der nicht auf hohe Renditen angewiesen wäre, ist leider noch lange nicht in Sicht. 

Günstige kleine Wohnungen mit rund 40 Quadratmetern sind in Kiel Mangelware. Das Angebot liegt über 18.000 Wohnungen unter der Nachfrage, so dass die Mietpreise in diesem Segment massiv angestiegen sind. Verschlechtern wird sich die Lage auf dem Kieler Wohnungsmarkt durch den doppelten Abiturjahrgang in Schleswig-Holstein, der im kommenden Oktober sein Studium aufnehmen wird. Allein die Kieler Christian-Albrechts-Universität rechnet mit 1500 mehr Erstsemestern als üblich. 

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Themensammlung der Anwesenden. Es wurden diverse Vorschläge gemacht und andiskutiert. Diese reichten von der Forderung nach mehr Transparenz bei Neubauprojekten über einen Bürger_innenentscheid zu öffentlichem Wohnungsbau auf dem zu erschließenden MFG5-Gelände hin zu der Idee erst einmal nur noch sozialen Wohnungsbau zuzulassen, bis sich die Situation wieder entspannt hat. Wir bleiben am Ball und werden hoffentlich noch mehr.