Daten/Fakten  

   

Termine und Aktionen in Kiel

• Di., 20.10., 18 Uhr, Gewerkschaftshaus, Andreas-Gayk-Raum
Kieler Friedensforum
www.kieler-friedensforum.de

• Do., 5.11., 19 Uhr, Kulturladen Leuchtturm, Friedrichsort
„Mit friedlichen Grüßen 5“, Friedrichsorter Bündnis gegen Verkauf des MFG5 an die Bundeswehr

• So., 8. 11., 10.30 Uhr, Friedhof Eichhof/Eingang Eichhofstraße, Kiel
Gedenkveranstaltung zur Novemberrevolution

• Di., 10.11., 18 Uhr, hansa48, Kiel
Treffen des Bündnisses "Zukunft am Wasser" (Gegen den Verkauf des MFG5-Geländes an die Bundeswehr)
www.zukunft-am-wasser.de 

• Mi., 11.11., 19.30 h, Kulturladen Leuchtturm
Bürgerforum des Ortsbeirats Friedrichsort

• So. 15.11. Redaktionsschluss der LinX
www.sozialismus-jetzt.de

• Fr., 20. November 2026 - SCHULSTREIK GEGEN DIE WEHRPFLICHT 
www.schulstreikgegenwehrpflicht.com

 

Gedenkveranstaltung zur Novemberrevolution in Kiel am 8.11.2026

Frieden schaffen – aber wie?

Umzug von Matrosen durch Kiel 1918

Umzug von Matrosen in Kiel 1918

Von den Matrosen und Arbeiter*innen vor 108 Jahren lernen. Sie streikten, nahmen den Dampf aus den Kesseln und verweigerten den Waffengang.
Schon 1916 demonstrierten vor allem Frauen in Kiel, weil sie nichts mehr zum Essen und Heizen für die Familien hatten, während der Krieg an allen Fronten tobte. Er nahm ihnen die Männer, so dass sie nicht nur mit der Sorge um die Kinder allein dastanden, sondern auch noch in die Fabriken gezwungen wurden, um Waffen und Munition herzustellen. Daran erinnern wir jedes Jahr auf dem Friedhof Eichhof an der Gedenkstätte für die Opfer der Revolution in Kiel:

So., 8. November 2026 um 10.30 Uhr,  Friedhof Eichhof/Eingang Eichhofstraße

Einladung zur Erinnerung an die mutigen Arbeiter*innen und Soldaten!

"Kriegstüchtig"? Da machen wir nicht mit! Machen wir es wie die Arbeiter*innen 1914, als Zehntausende den Kieler Reichstagsabgeordneten aufforderten, nicht den Kriegskrediten zuzustimmen. Das hat nicht geklappt, aber 1918 haben sie gemeinsam mit den Marinesoldaten ein weiteres Eskalieren des Krieges verhindert. Die gut organisierte Arbeiterschaft Kiels und die Soldaten, die sich geweigert hatten auf Kameraden zu schießen, haben dem Krieg beendet.

Eure Kriege ohne uns!

Nutzt jede Gelegenheit aus der Geschichte zu lernen – die arbeitenden Menschen, die Soldaten und inzwischen auch Soldatinnen zahlen immer zweimal:
• in Form von Einsparungen bei Sozialleistungen und Daseinsvorsorge
• und im Krieg mit dem Leben

Deshalb freuen wir uns auf zahlreiche Beteiligung mit euren Beiträgen (Reden, Lieder, Gedichte), Transparenten und Fahnen am 8.11.2026 auf dem Friedhof Eichhof. Wir treffen uns um 10.30 Uhr am Haupteingang Friedhof Eichhof, Eichhofstraße, Kiel.

(Für diejenigen, die lieber einen kürzeren Weg nutzen möchten: Vom Eingang Kronshagen, Kopperpahler Allee, sind es nur ein paar Schritte zur Ruhestätte der Opfer der Revolution. gleich hinter dem Friedhofseingang ist eine Tafel, auf der das Gräberfeld eingezeichnet ist. Ansonsten wendet ihr euch nach ca. 30 m am großen Stein nach links und geht am Rand des Friedhofs auf dem Weg, bis rechts der Hinweis auf die Gedenkstätte kommt.)

Wir sehen uns!

AK Novemberrevolution / DKP Kiel

Gustav Garbe am 1.5.1919 auf der Krusenkoppel

Matrosen von Kronstadt und Kiel
Historisches Lied zur Novemberrevolution

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Bombenstimmung:

„Wehrtechnik-Unternehmen prägen den Industriestandort Schleswig-Holstein“

In den Chefetagen der schleswig-holsteinischen Rüstungsbetriebe knallen die Sektkorken. Ende August konnte Dieter Hanel, Vorstandssprecher des Arbeitskreises Wehrtechnik, auf boomende Geschäfte verweisen. Die Branche setzt jährlich zwischen zwei und drei Milliarden Euro um. Mit besonderem Stolz hob er die Börsengänge der Rüstungswerft TKMS und von Vincorion hervor. Vincorion ist ein deutsches Technologieunternehmen mit Sitz in Wedel, das mechatronische Komponenten für Anwendungen in der „Verteidigungs“- und Luftfahrtindustrie produziert. Zudem verwies Hanel auf weitere Zukunftsprojekte.

FFG 2026 gst

So baut die Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG) ein drittes Werk in Handewitt im Kreis Schleswig-Flensburg. Der Spatenstich für den Bau der Rüstungsfabrik war Anfang Februar erfolgt. Auf einer Fläche von etwa 18 Fußballfeldern sollen modernste Fertigungs- und Instandsetzungsanlagen entstehen, in denen das selbst entwickelte Kettenfahrzeug ACSV G5 und der Unterstützungspanzer Wisent 2 produziert werden sollen. Im Juli war bekannt geworden, dass sich FFG auf eine Übernahme durch die Deutz AG, dem börsennotierten Motorenhersteller, geeinigt habe.

Ein weiteres traditionsreiches Flensburger Unternehmen setzt dem Vernehmen nach nun ebenfalls schwerpunktmäßig auf Rüstungsproduktion. Die Flensburger Shipyard, noch bekannt als FSG (Flensburger Schiffbau-Gesellschaft), die Anfang 2025 von der Bremerhavener Rönner-Gruppe aus der Insolvenzmasse des windigen Herrn Windhorst übernommen wurde, will jetzt Seedrohnen im großen Umfang produzieren. In Kooperation mit dem Berliner Rüstungs-Start-Up „Stark Defence“ plant die Werft den Bau „unbemannter Überwassersysteme“ in unterschiedlicher Größe. „Damit erweitern wir unser Portfolio um ein Zukunftsfeld, das perfekt zu unserer Tradition als Innovationswerft passt“, so Werft-Geschäftsführer Frank Mallon (FAZ 3.9.26).

Noch nie haben so viele Menschen in Schleswig-Holstein in der Rüstungsindustrie gearbeitet; rund 10.500 Beschäftigte sind es mittlerweile in 46 Unternehmen. Gerade in der Landeshauptstadt Kiel hat die Rüstungsindustrie eine außerordentlich hohe wirtschaftliche Bedeutung. Während die Zahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe in der Landeshauptstadt auf rund 12.800 im Jahr 2025 zurück ging, verzeichneten die 23 Rüstungsunternehmen einen Anstieg auf rund 7.400 Beschäftigte, 12,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Fazit des „Arbeitskreises Wehrtechnik“: „Die Wehrtechnik-Unternehmen prägen zusehend den Industriestandort Schleswig-Holstein“ (shz 28.8.26). Als Gründe für die gute wirtschaftliche Situation wird vor allem die Ausrüstung der Bundeswehr und die Unterstützungsleistungen für die Ukraine hervorgehoben. Positiv wird angemerkt, dass es gegenwärtig deutlich weniger Exportrestriktionen gebe – von daher planen die Rüstungsunternehmen auch, ihre Auslandsaktivitäten zu erhöhen.

Kieler U-Boot-Bauer auf Wachstumskurs

Das Paradebeispiel dieser Entwicklung ist die TKMS-Rüstungswerft. Laut aktuellem Geschäftsbericht stieg der Betriebsgewinn auf 60 Millionen Euro – das ist ein Plus von 14 Prozent. Außerdem habe TKMS seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro gesteigert. (ndr-online 11.05.2026).

Und neue große Pläne liegen bereits auf dem Tisch. Da das Projekt zum Bau von F126-Fregatten (bei deren Plänen TKMS außen vor war) vom Bundesverteidigungsministerium jetzt offiziell beendet wurde, werden stattdessen nun acht kleinere Fregatten des Typs "Meko-200" angeschafft – gebaut bei TKMS.

Weiterhin sieht TKMS neue Möglichkeiten in Lateinamerika. Wie das deutsche Verteidigungsministerium im April berichtete, unterzeichneten Verteidigungsminister Boris Pistorius und Brasiliens Außenminister eine Absichtserklärung, die zum einen vorsieht, dass Berlin und Brasília „bei diversen maritimen, landgestützten und luftgestützten Beschaffungsprojekten verstärkt zusammenarbeiten.“ U. a. einigten sich beide Seiten auf die Lieferung von vier Fregatten an die brasilianische Marine. (1)

Bereits 2019 gelang es TKMS einen Auftrag zur Lieferung von vier Fregatten des Typs MEKO A-100 an Brasilien zu erhalten. Die Schiffe werden in Brasilien gebaut – von dem Konsortium Águas Azuis in Itajaí, das von TKMS und dem brasilianischen Konzern Embraer gebildet worden ist. Águas Azuis soll nun vier weitere Fregatten bauen – ein Vorgeschmack auf die allgemeine Ausweitung der Rüstungskooperation. Auch kooperieren will TKMS mit der spanischen Staatswerft Navantia. Sie wollen die zu Beginn des Jahres begonnenen strategische Partnerschaft ausbauen „um einen gemeinsamen Kooperationsrahmen für die Produktion und Vermarktung ausgewählter U-Boot-Projekte zu schaffen“, wie aus einer Mitteilung von TKMS hervorgeht.

Bild: KollegInnen der Kieler Werft HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft)

Mit Rüstungsproduktion „Souveränität und Resilienz sichern“?

Die deutsche Rüstungsindustrie steht insgesamt vor einem bislang nicht gekannten Boom. 2025 ist Deutschland weltweit der viertgrößte Waffenexporteur (SIPRI 2026). Beim erreichten Stand soll es aber nicht bleiben, die führenden Rüstungskonzerne wollen ihren Umsatz vervielfachen. Planungsgrundlage ist die Entscheidung der Bundesregierung, die Verteidigungsausgaben massiv zu steigern, um das Fünf-Prozent-Ziel der NATO einzulösen. Durch diesen „Rüstungs-Keynsianismus“ erhoffen sich die Regierenden auch, dass die stotternde Wirtschaft wieder in Fahrt kommt.

Entscheidend wird sein, wie sich die Beschäftigten der Rüstungsindustrie und ihre Gewerkschaft zu dieser politischen Richtungsentscheidung positionieren. Da sind die Signale durchaus unterschiedlich. Auf der einen Seite sorgen sich IG Metall, SPD und der BDSV (Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie) in ihrem Positionspapier „Souveränität und Resilienz sichern“ (2) vor allem darum, dass das Sondervermögen der Bundesregierung nicht ausreichend deutschen Herstellern zugutekommen wird, und die deutschen Rüstungsexportkontrollen zu restriktiv seien und somit die deutsche Industrie benachteiligen könnten. Desweiteren machen sie eine Reihe von Vorschlägen zur weiteren Aufrüstung der Land-, Luft- und Seestreitkräfte. Die IG-Metall läuft in diesem Papier Gefahr, zum Anhängsel der deutschen Rüstungsindustrie zu werden. Mit den traditionellen friedenspolitischen Zielsetzungen der IG Metall sind diese Positionen jedenfalls nicht zu vereinbaren.

Auf der anderen Seite warnt Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, dass der zivile Schiffbau vernachlässigt werden würde. Es brauche auch "langfristige Perspektiven für den zivilen Schiffbau, für Offshore-Energie und klimafreundliche maritime Technologie.“ Aktuell machen militärische Aufträge mehr als die Hälfte der Aufträge der Schiffbauer aus. Deutschland dürfe seine maritime Industrie nicht einseitig auf den Marineschiffbau ausrichten. Auf den Werften in Norddeutschland sind derzeit 17.000 Menschen beschäftigt – so viele wie seit sechs Jahren nicht mehr. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als 1.000 neue Jobs dazugekommen, so die aktuelle Schiffbauumfrage der Gewerkschaft IG Metall Küste. (3)



Auf der „4. Gewerkschaftskonferenz für den Frieden“ Ende Juli in Würzburg von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit der IG Metall Würzburg veranstaltet, hob Jürgen Peters, ehemaliger IGM-Vorsitzender mit Blick auf die Werftenindustrie in Norddeutschland hervor, dass es dort in den 1980er Jahren ausgearbeitete Konzepte der IG Metall für eine Konversion hin zu gesellschaftlich nützlicher Produktion gegeben habe. Er erinnerte an die "Arbeitskreise alternative Produktion" in dieser Zeit, die es an vielen Orten gegeben habe. Heute gehe es um eine aktive, planende Industriepolitik, auch einer regionalen Strukturpolitik, die am gesellschaftlichen Bedarf orientiert ist, mit öffentlichen Eingriffsmöglichkeiten. Entscheidender Punkt sei die Eigentumsfrage – unter privatkapitalistischer Regie ginge das nicht, daher müsse die Frage der Vergesellschaftung gestellt werden.

„Apokalypse-Blindheit“ und „Kriegstüchtigkeit“

War es in der Vergangenheit eines der beliebtesten beruflichen Ziel, in der exportstarken Autoindustrie zu arbeiten oder an der Energiewende mitzuarbeiten, so zieht es junge Ingenieure mittlerweile bevorzugt in die Branchen, die vom Rüstungs-Keynesianismus profitieren. Denn dorthin fließen die höchsten privaten und öffentlichen Investitionen, und „dort geht was“. Dabei gibt es für Beschäftigte heute nicht nur ökonomische Anreize, sondern auch den „Mainstream-Sound“ einer scheinbar sinnstiftenden Arbeit. „Wollte man während der Energiewende noch das Klima retten, bewahrt man jetzt mit dem Bau von Waffensystemen den Weltfrieden oder wenigstens, nationalistisch abgespeckt, das Häuschen von Lieschen Müller und Max Mustermann‚vor den russischen Horden.“ (4)

Vor 45 Jahren, auf dem Höhepunkt der „Nachrüstungsdebatte“ hat der Philosoph Günter Anders in einem ähnlichen Zusammenhang von einer „Apokalypse-Blindheit“ gesprochen. Sie verstelle den Blick für Gefahren, die mit der Aufrüstung unweigerlich verbunden seien. Die Rüstungsindustrie ist keine gewöhnliche Branche. Es handelt sich um eine Industrie, die außer den Waffen selbst auch immer Waffenbedarf und die Chancen für deren Gebrauch erzeugt. Zugespitzt formuliert: Aufrüstung mündet mit hoher Wahrscheinlichkeit in erhöhte Kriegsgefahr. Und die effektivste „Konsumsituation“ dieser Waffen ist der Krieg.
Günther Anders stellte skeptisch fest: „Solange wir für unser Mitarbeiten anständig entlohnt werden und solange wir gewiß zu sein glauben, unter gut gesicherten Bedingungen weiterarbeiten zu können, so lange verschließen wir die Augen vor dem, was wir und wofür wir arbeiten; und so lange sind wir auch dazu bereit, von der Vorbereitung des Untergangs zu leben.“ Als Gegenmittel für „Apokalypse-Blindheit“ hatte Günter Anders seinerzeit die Fähigkeit zum Produktstreik vorgeschlagen. Gemeint war, sich der Herstellung von Produkten zu verweigern, deren Zweck die Massenvernichtung ist. (5)

Gegenwärtig scheint diese Forderung utopischer denn je. Lange schien es zumindest so, dass in der Frage Aufrüstung und Kriegseinsätze der Bundeswehr nicht immer Deckungsgleichheit zwischen den Herrschenden und einem Großteil der Bevölkerung bestand. Doch das Bild hat sich leider gewandelt. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap für den ARD-Deutschlandtrend vom Juni 2025 halten 50 Prozent der Bevölkerung das „Fünfprozentziel“ für „angemessen“. Die Hälfte der Bevölkerung ist also dafür, dass aus dem Haushalt der Bundesregierung künftig jeder zweite Euro für „Kriegstüchtigkeit“ ausgegeben wird. Nur noch 35 Prozent sagen, diese Hochrüstung „geht zu weit“.

Günther Stamer

Fußnoten fehlen noch

Bundesweite Mobilisierung gegen Sozialabbau auch in Kiel:

Demo gegen Kürzungswahn

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Unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ gingen am 26. September 2026 bundesweit in 15 Großstädten rund 175.000 Menschen auf die Straße, um sich gegen die sozialen Kürzungen der Bundesregierung zu wehren. In Kiel waren rund 5.000 Demonstrant/inn/en dem Aufruf des Bündnisses „Kiel steht zusammen“ gefolgt, um gegen die sogenannten „Reformen“ der Bundesregierung, die geplanten grausamen Einschnitte bei Renten, Gesundheit, Pflege, Arbeitszeit und Arbeitsrechten zu protestieren.

Neben dem DGB waren auch verschiedene Einzelgewerkschaften am Start, ebenso wie politische und soziale Organisationen und als einzige im Bundestag vertretene Partei Die Linke mit einem großen Block sowie dem kompletten Landesvorstand, Kreisvorstand und der Kieler Ratsfraktion. Mit einer Rede meldete sich auch die Kieler Bundestagsabgeordnete Tamara Mazzi zu Wort. Fast symbolträchtig diese Demonstration: Zeigte sie doch, dass es in Bundestag, Landtag und den Kommunen außer der Linkspartei anscheinend keine einzige Partei mehr gibt, die den Gewerkschaften und der arbeitenden Bevölkerung zur Seite steht.

Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung. „Was macht der Regierung Dampf? Klassenkampf, Klassenkampf“ erscholl es über den Wilhelmplatz und „Jugend, Zukunft, Sozialismus“. Den Plakaten und Slogans zufolge - „Hoch mit den Löhnen – runter mit der Rüstung“, „Streik in der Schule, Streik im Betrieb – das ist unsere Antwort auf eure Politik“ - waren auch die Schulstreik-Bewegung und die Friedensbewegung mit dabei, und damit stellte die Kieler Demo im Gegensatz zu den anderen DGB-Demos den Zusammenhang zwischen Militarisierung und sozialem Kürzungswahn her. (bm)

 

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Bilder oben: ver.di Kiel-Plön

 

 

Rede von Tamara Mazzi zu den Sozialprotesten am 26.9.2026

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Kiel-Gaarden:

Nach 40 Jahren wieder ein Kultur-Café

Eine außergewöhnliche Gesprächsrunde „Medusa – von der Hinterhofschmiede zum Kulturort“ fand am Abend des 25. September 2026 im Medusahof in der Medusastraße 16 in Kiel Gaarden statt. Anwesend waren junge kulturell Interessierte, aber auch viele „Urgesteine“, die an diesem Ort im Laufe ihres Lebens Zeit verbracht hatten.

Bevor Mia Fyu vom „Netzwerk für revolutionäre Ungeduld“ das neue Projekt vorstellte, gab sie zunächst einen Rückblick in die Geschichte des 1912 als Industrieschmiede errichteten Gebäudekomplexes, in deren „Pferdestall“ das Treffen stattfand. Aus der Zeit der Schmiede sind noch Werkzeuge und Maschinenteile erhalten. Das im 2. Weltkrieg anscheinend unversehrte Gebäude diente in der Nachkriegszeit als Tischlerei, dann wechselten die Werkstätten und zeitweilig stand es leer, bis 1985 zwei junge Leute aus Probsteierhagen, Martha Deegen und Harald Mücke, auf die Idee kamen, hier ein Kulturcafé zu eröffnen.

Es entstand das Malik-Café mit wöchentlichem Kulturprogramm, Lesungen und Konzerten, im Medusahof, inmitten einer Hofgemeinschaft mit Läden für Schallplatten, Second-Hand-Kleidung, Spielzeug, Biolebensmittel und einem Studio für orientalischen Tanz. Manche der Anwesenden erinnerten sich an die Anfänge, die Überzeugungsarbeit beim Ortsbeirat, die praktische Hand beim Ausbau, die illustre Gestaltung der Plakate, die Konzerte und Lesungen mit AutorInnen wie Rafik Shami und Elfriede Brüning.

Obwohl ein beliebter Treffpunkt mit gut besuchten Veranstaltungen, scheiterte das Projekt nach etwa zwei Jahren, da es sich mit rein ehrenamtlicher Arbeit nicht mehr aufrecht erhalten ließ. In den 90er bis 2010er Jahren gab es mehrere Anläufe, wieder ein Café zu etablieren, auch verschiedene Nutzungen, u. a. als Buchladen, Tanzstudio und für Kunstausstellungen, bis es zuletzt während der Corona Krise als Unterkunft für Obdachlose diente.

Im zweiten Quartal 2026 hat nun das „Netzwerk für revolutionäre Ungeduld“ die derzeit brachliegenden Räume, die im Laufe der Zeit noch erweitert wurden, und zu denen ein c.a. 500 m² großer Garten erschlossen wurde, angemietet, um hier einen erneuten Kulturort mit „niedrigschwelligem Zugang zu Kunst und Kultur“ zu ermöglichen. In Kooperation mit anderen Organisationen wie ZBBS, ZEIK und dem „Büro soziale Stadt“ in Gaarden soll hier ein Projekt mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten entstehen, wie z. B. Konzerte, Theater, Lesungen, Diskursveranstaltungen und Nachbarschaftstreffen mit gastronomischer Begleitung. Hier sieht Martha Deegen den roten Faden des einstigen Projekts aus den 80ern, und diesmal stehen die Chancen besser, denn neben viel ehrenamtlicher Hilfe gibt es auch eine bezahlte Stelle für die Projektleitung sowie eine Stelle auf Minijob-Basis und die finanzielle Förderung der Stadt Kiel.
Wer beim Projekt mitwirken oder eine Kulturveranstaltung anbieten möchte, kann sich melden unter: info@ungeduld.net
(bm)

Schulstreik gegen die Wehrpflicht zum 4. Mal in Kiel

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Knapp 1.000 Schüler/innen versammelten sich am 25.9.2026 zum vierten Schulstreik in Kiel gegen Aufrüstung, Militarisierung und Wehrpflicht auf dem Exerzierplatz. Stark vertreten war wieder die Kieler Waldorfschule, die Gymnasien wie die Hebbelschule, die Humboldtschule und die Käthe Kollwitz Schule, aber auch die RBZ Wirtschaft, Technik, Pädagogik und Soziales sowie Studenten der CAU und die junge GEW. Auch diesmal waren wieder viele aus dem Umland angereist, z. B. aus Rendsburg, Neumünster und Plön.

Mit Slogans wie „Bundeswehr raus aus unseren Schulen!“ und „Für Bildung statt Bundeswehr“ wehrten sich die Schüler/innen besonders gegen das immer häufigere Auftreten von Jungoffizieren an den Kieler Schulen. Natürlich fehlte auch der Spruch „Merz leck Eier“ nicht. Ein Schüler, der auf einer früheren Schulstreik-Demo von der Polizei festgenommen und der Beleidigung angeklagt worden war, hatte den Stein ins Rollen gebracht. „Was soll Merz?“ - „Eier lecken!“ erscholl es aus tausenden jugendlichen Kehlen und ebenso laut wie trotzig: „Wehrpflicht? - Nein, nein, nein!“
Die Schulstreik-Demo verlief auf der gewohnten Route durch die Kieler Innenstadt und endete mit den Abschlusskundgebungen vor der CDU-Zentrale in Bahnhofsnähe. (bm)

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Redebeitrag aus der Waldorfschule:

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MFG5-Gelände:

Zwischen Bundeswehr, städtischem Freiraum und antimilitaristischem Widerstand

Vortrag der Initiative "Vossbrook für alle – MFG5 bleibt zivil" auf der Kieler Friedenskonferenz am 20.9.2026

Inhalt:
● Geschichte
● Militär damals/heute
● Vision Holtenau-Ost

Siehe PDF: Präsentation Vossbrook

Aktuelle Infos vom Baumhaus "MFG5 bleibt zivil" : Krieg.nirgendwo.info

Instagram: mfg5.bleibt.zivil

Friedenskonferenz in Kiel:

Nostalgie und frischer Wind

Zum ersten Mal seit über 40 Jahren fand in den Räumen der Kieler Pumpe wieder eine Friedenskonferenz am 20. September 2026 statt. Manche/r mag sich noch an die regelmäßigen Treffen der Kieler Friedensinitiative in der Pumpe in den 80ern erinnern, die Veranstaltungen und die große Demonstration in Bonn, die sich gegen den NATO-Doppelbeschluss richtete, atomare Mittelstreckenraketen (Pershing II) in Westeuropa zu stationieren.

Die „Urgesteine“ der Friedensbewegung waren auf der Konferenz, die von der Rosa Luxemburg Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ sowie der Initiative „Eltern gegen Wehrpflicht Kiel“ veranstaltet wurde, im Vergleich zu den vielen jungen Akteur/inn/en eher in der Minderzahl.

In seinem Eingangsreferat, gewährte Ingar Solty von der Rosa Luxemburg Stiftung einen Rückblick in die seit den 90ern durch die Ostorientierung zunehmend aggressive Ausrichtung der NATO, die nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine in horrenden Summen für Aufrüstung, Waffenkäufen, Umstellung auf Kriegsproduktion und Kriegsvorbereitung durch die Militarisierung des Zivillebens gipfelt.

Die Kehrseite der Medaille sei der gleichzeitige Abbau des Sozialstaats. Dieser Gedanke wurde in den späteren Workshops und auch auf der abschließenden Podiumsdiskussion erneut aufgegriffen, folglich wurde neben dem Schulstreik gegen die Wehrpflicht am 25.9.2026 um 10.30 Uhr auf dem Exerzierplatz auch zur Teilnahme an der Demonstration des Bündnisses „Kiel steht zusammen“ gegen die sozialen Kürzungen am 26.9.2026 um 10.30 Uhr auf dem Wilhelmplatz aufgerufen.

Den Nachmittag verbrachten die Teilnehmer/innen in zahlreichen Workshops, in denen es u. a. um die Perspektive der Jugend, um Militarisierung im Betrieb, Protestformen, Sozialabbau, Medien in Zeiten der Aufrüstung ging, aber auch kreative Kollagen gegen Rüstung und Wehrpflicht entstanden sowie über Proteste gegen den geplanten Rückkauf des MFG 5 Geländes durch die Bundeswehr diskutiert wurde.

Für das leibliche Wohl hatten die Veranstalter/innen der gut besuchten und erfolgversprechenden Konferenz mit leckeren Salaten und Getränken gesorgt, und an den Info-Tischen konnten sich die Teilnehmer/innen mit Hintergrundmaterial eindecken.

Abschließend berichteten Vertreter/innen der beteiligten Gewerkschaften, Initiativen und Bündnisse von bisherigen und geplanten Protesten. Einig waren sich alle, dass es Vernetzung und Fortsetzung der Proteste braucht, weswegen auch gleich der Termin für ein weiteres Treffen bekannt gegeben wurde: am 6.10.2026 um 18 Uhr in der Kieler Pumpe. (bm)

Plakate erstellt auf dem Kultur-Workshop:

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Kiel-Mettenhof:

Landesparteitag der Linken – Kritik am „Angriff auf den Sozialstaat“

Am 12. und 13. September 2026 beschloss die Linkspartei Schleswig-Holstein auf ihrem Landesparteitag in Kiel-Mettenhof ein umfangreiches Wahlprogramm und wählte die Kandidaten für die Landesliste sowie die Direktkandidaten.

Auf den Listenplatz 1 wurde die 28jährige Johanna Klitzschmüller aus dem Kreisverband Kiel mit 75,9 Prozent der Stimmen gewählt, auf den Listenpatz 2 der 25jährige Finn Luca Frey aus dem Kreisverband Bad Segeberg mit 95 Prozent der Stimmen. In ihrer Bewerbungsrede kritisierte die Spitzenkandidatin die Sozial- und Wirtschaftspolitik der Bundes- und Landesregierung und setzte sich für konkrete Verbesserungen ein. Sie erwähnte auch, dass gegen sie seit vier Jahren ein Strafverfahren wegen einer Blockade gegen den Bau der festen Fehmarnbeltquerung laufe, was für die Partei eine Belastung sein könne. Finn Luca Frey, der seit 10 Jahren Parteimitglied ist und bei der letzten Europawahl antrat, kritisierte ebenfalls den „Angriff auf den Sozialstaat“ der neoliberalen Politik in Bund und Land, deren Unfähigkeit, die Probleme der Bevölkerung zu lösen.

Nach den derzeitigen Umfragen könnte es der Linkspartei bei der Landtagswahl am 18. April 2027 mit 7 Prozent gelingen, in den Landtag einzuziehen, wo sie sich in der Opposition positionieren wird. Die Partei befindet sich mit stetig steigender Mitgliederzahl im Aufwind.

Im Wahlprogramm legte die Linke den Schwerpunkt auf Soziales, Wohnen, Bildung, Gesundheit, aber auch Wirtschaft, Energie und Umwelt.
Wohnen soll demnach wieder bezahlbar gemacht werden durch die Einrichtung einer Landeswohnungsbaugesellschaft, die jährlich mindestens 5.000 Wohnungen durch das Land baut oder erwirbt und auch den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften Mittel zur Verfügung stellt. Große Wohnungskonzerne sollen enteignet, Zwangsräumungen in Notlagen verboten werden und Obdachlosigkeit nach dem Prinzip „Housing First“ beendet werden. Ein kostengünstiger bis langfristig kostenfreier ÖPNV soll die Mobilität vom Wohnort zu anderen Orten garantieren.

In der Bildungspolitik fordert die Linke die kostenlose Bildung von der KiTa bis zur „Schule für alle“, demokratische Bildung und Aufkündigung des Kooperationsvertrages mit der Bundeswehr.

Schwerpunkte linker Gesundheitspolitik sind die Rekommunalisierung der Krankenhäuser, eine flächendeckende Grund- und Notfallversorgung sowie ein Stopp des Kliniksterbens. Wirtschaftliche Aspekte des Programms sind die Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien und Netzbetreibern, Schluss mit der Rüstungsindustrie durch Konversion, gemeinwohlorientiertes Wirtschaften ohne Markt und Profit, die Wiedereinführung eines Tariftreuegesetzes, die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen sowie der Schutz betrieblicher Mitbestimmung. Das Energieprogramm fordert den Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Umwelt setzt die Linke auf nachhaltige Landwirtschaft, Gewässerschutz und Biodiversität, Aufforstung und Renaturierung der Moore.

Ein Grußwort auf dem Parteitag kam von der VVN/BdA mit dem Appell, sich in Bündnissen zusammenzuschließen gegen die gegenwärtige Politik und gemeinsam für soziale Gerechtigkeit einzutreten, denn „hunderte Milliarden für Rüstung, aber nicht für Soziales“, das begünstige die AFD. Die Behörden versuchen derzeit in einigen Bundesländern, der VVN/BdA die Gemeinnützigkeit zu entziehen, u.a. deshalb, weil sie sich für ein Verbot der AFD ausspricht.

Ein zweites Grußwort kam von dem Bündnis „Kiel steht zusammen“, ein Zusammenschluss aus Gewerkschaften und Initiativen, das sich gegen die sozialen Kürzungen der Bundesregierung ausspricht. Eine junge Psychotherapeutin schilderte die desolate Situation in der Psychiatrie, wo Patienten mindestens eineinhalb Jahre auf einen Therapieplatz warten müssen, was sich durch die Kürzungen noch verschlimmern wird. Andere Vertreter des Bündnisses erinnerten an vergangene Arbeitskämpfe wie an den langen Streik 1956 und riefen zur gemeinsamen Demo gegen die sozialen Kürzungen am 26.9.2026 in Kiel auf. „Seid ihr dabei?“ Tosender Beifall. Die Linkspartei mobilisiert ebenfalls für die Demo und ist zuversichtlich, zahlreich vertreten zu sein. (bm)

Kiel-Mettenhof:

6 Tage keine Trinkwasserversorgung

Am Donnerstag, dem 3. September 2026, kam in 183 Wohnungen in der Helsinkistraße in Kiel-Mettenhof kein Trinkwasser aus dem Hahn. Für die mehr als 200 Bewohner der Liegenschaft ein Disaster, zumal sie vorher nicht alle informiert worden waren. Viele kamen am späten Nachmittag von der Arbeit und hatten kein Wasser.

Im Treppenhaus hing lediglich eine Nachricht der Sanitärfirma mit der Botschaft, dass die Trinkwasserversorgung wegen eines Rohrbruchs „bis auf weiteres“ unterbrochen sei. Ein Anruf bei der Hausverwaltung half auch nicht weiter: „Wenn ich in Ihrer Situation wäre, würde ich jetzt ganz viele Packungen Mineralwasser von Aldi kaufen.“ Was war wohl der nächste Vorschlag? In Milch baden? „Das ist ein Notfall! Sie können uns nicht ohne Wasser lassen. Sie müssen mindestens einen Tankwagen mit Wasser für uns bereitstellen.“
„Das kostet ja extra Geld. Aber ich kann ja ein paar Dixie-Klos ordern. Und wenn noch mehr von Ihnen kein Wasser haben, dann rufen Sie doch wieder an.“ Im Treppenhaus rumort es. Es sind eine ganze Menge, die kein Wasser haben und ziemlich aufgeregt sind. Ein erneuter Anruf kommt nicht mehr durch. Ständig besetzt. Schließlich schaltet die Hausverwaltung das Telefon ab.

Im Treppenhaus hängt mittlerweile eine zweite Nachricht: Um 17 Uhr gebe es eine Notwasserversorgung aus einem Hydranten. Der erste Hydrant funktioniert nicht. Gut zu wissen für den Brandfall. Eine lange Warteschlange führt schließlich zum zweiten Hydranten. Alle sind bepackt mit Eimern, leeren Plastikflaschen, Gießkannen, Plastikkisten, alles, was sich mit Wasser füllen lässt. Die Warteschlange erinnert an Berichte über Katastrophen, über Wasserknappheit im globalen Süden. „Das ist aber kein Trinkwasser?“ „Sie müssen es vorher abkochen.“ Die Notversorgung werde ab jetzt zweimal am Tag angeboten. Bis der Rohrbruch repariert ist und die Trinkwasserversorgung wieder aufgenommen werden kann, dauere es noch zwei Tage. Schlecht, wenn eine Firma gerufen wird, die keinen Notdienst hat und die Ersatzteile erst bestellen muss.

Aber immerhin ist jetzt Wasser da, damit lässt sich Tee kochen, denn dabei wird es ja abgekocht, und am nächsten Tag das Gemüse fürs Mittagessen. Bis der Blick auf den weißen Boden der neu gekauften Eimer fällt. Da setzt sich schwarzer Dreck ab, und die Farbe des Wassers wird immer gelblicher, je länger es steht. Also doch zu Aldi und dann woanders duschen und Trinkwasser auffüllen (wer es sich leisten kann).

Am Sonntag, dem 4. Tag ohne Trinkwasserversorgung, ist die Stimmung in der Warteschlange ziemlich gereizt. „Das ist unmöglich! Diese korrupte Hausverwaltung! Das müsste man der KN erzählen!“ Tatsächlich berichtet die KN drei Tage später über den „Ausnahmezustand“ in Mettenhof.
Die junge Frau aus dem Nachbarhaus erzählt, dass sie sich am Anfang gar nicht mit Wasser versorgen konnte, weil sie morgens um 5 Uhr aus dem Haus gehe und erst nach 18 Uhr von der Arbeit komme. Sie und ihr Mann müssten in zwei Jobs arbeiten, um sich die teure Kaltmiete von 1200 Euro für ihre Dreizimmerwohnung leisten zu können. Sie müssten soviel bezahlen, weil sie in Kiel keine andere Wohnung bekommen konnten. Man rückt näher zusammen, tauscht sich aus. Leute aus den Nachbarhäusern bieten Hilfe an, halten die Türen auf, tragen der lungenkranken Nachbarin die schweren Eimer ins Haus.

Montag, Tag 5. Ein Dringlichkeitsantrag wird an die Hausverwaltung gestellt wegen der Seuchengefahr durch stehendes Wasser. Die beruhigt: Die Ersatzteile seien ja jetzt da, der Rohrbruch werde repariert und morgen solle es Wasser geben.

Dienstag, Tag 6. Wo kann man die Wäsche waschen? Wen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis kann man damit nerven? Der Handwerker am Hydranten beruhigt: Heute werde die Wasserversorgung wieder angeschlossen. Und dann kommt es tatsächlich am späten Nachmittag aus dem Hahn: Erst noch schmutzig, bräunlich, dann aber zunehmend klar und sauber. Wasser - nie haben wir es mehr zu schätzen gewusst. (bm)

Kiel:

Protest gegen Bundeswehr-Roadshow

Zwei Wochen lang protestierte das Kieler Friedensforum mit Plakaten und einem Info-Tisch gegen KA.R.L, „Karriereberatung, Roadshow und Lounge“, ein mobiles Pop-up-Projekt zur Rekrutengewinnung.

Ausgerechnet am Antikriegstag, dem 1. September 2026, bauten Soldaten in Flecktarn an der Kiellinie ihre Rekrutierungsshow auf: einen riesigen Raketenwerfer mit aufgerichteter Abschussschiene, Glascontainer mit gemütlichen Clubsesseln, Plakate, die den Umgang mit Artilleriemunition als Abenteuer darstellten oder für eine Karriere in der Heereslogistik warben.

Genau gegenüber hingen die Plakate der DFG-VK mit Slogans wie „Kein Werben fürs Sterben“ und „Frieden schaffen ohne Waffen“, in der Mitte der Info-Tisch.
Das Wetter war mäßig bis schlecht, weswegen außer den Fähre-Passagieren die Zahl der Passanten recht begrenzt war. Erfreulich, dass von denen wiederum viele den Weg zum Info-Stand fanden mit aufmunternden Sätzen wie „Toll, dass ihr das macht“ und „Gut, dass es euch gibt“. So waren auch die Flugblätter gegen den „Circus Pistori“ zum Ende der zweiwöchigen Protestaktion so gut wie alle verteilt.

Nur wenige begaben sich hingegen in die Glascontainer Lounge der Bundeswehr. Das aufgestellte Turngerät für Klimmzüge wurde nicht einmal frequentiert, so dass die Soldaten sich schließlich mehr oder minder erfolgreich selbst daran versuchten. Einige Familien mit kleinen Kindern bewegten sich geradewegs zum Raketenwerfer, wo sie ihre Drei- bis Fünfjährigen an das Steuer des Monstertrucks setzten.

Ansonsten schienen die Soldaten sich sehr zu langweilen, verteilten kleine Geschenke (Blumensamen im Flecktarntütchen) oder kamen zum Info-Stand, um über Krieg und Frieden und Politik zu diskutieren.

Am letzten Freitag gab es etwas Abwechslung: Ein Feuerwehrwagen rückte an, um die Glaswände der Lounge zu reinigen. Die waren in der Nacht mit Äpfeln und Apfelmus beworfen worden. Kosten des Einsatzes: ca. 200 Euro. Minimaler Abzug vom Sondervermögen.

Alles in allem verlief die Protestaktion vom Friedensforum friedlich. Manch gutes Gespräch wurde geführt. Manch einer der Soldaten wird sich vielleicht überlegen, ob er nachträglich verweigert, manch ein junger Passant kommt vielleicht zur Beratung für Kriegsdienstverweigerer. (bm)

   
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