Offener Brief von attac-Kiel an Occupy-Kiel, August 2012-
 
Vielen Dank Occupy-Kiel! Es ist gut, dass es euch gibt! 
---
Jetzt, da Bürgermeister Todeskino euch mit eurem Camp vom Kleinen Kielvertreiben will, ist es angebracht, einen Blick auf eure politischenLeistungen zu werfen, damit klar wird, welche wichtige Funktion euer Protest hat.Als Attacies haben wir euch von Anfang an solidarisch begleitet und werden das auch in Zukunft tun.
---
In den letzten zehn Monaten habt ihr mit eurem Protestcamp am KleinenKiel politisch viel angestoßen: Ihr habt im öffentlichen Raum die fatale Rolle der Banken und derFinanzmärkte angeprangert und die völlig ungerechte Einkommens- und Vermögensverteilung gebrandmarkt.. Ihr habt die bestehenden Herrschaftsverhältnisse hinterfragt undradikaldemokratische Forderungen gestellt.
---
Ihr habt die Gesellschaft und die etwas verkrustete linke politischeSzene mit einer ungewohnten politischen Protestkultur konfrontiert unddabei breite Debatten, Abgrenzungen und viel Unterstützung ausgelöst. Ihr habt mehr Lebendigkeit in die Stadt gebracht, politische Feste gefeiert, Veranstaltungen und Aktionen für die KielerInnen organisiert.

Ihr habt einen langen trüben und teilweise harten Winter in eurenZelten überstanden, weil euch eure Anliegen wichtiger sind als die Bequemlichkeit.

Ihr habt personelle Wechsel und angespannte Gruppensituationen, diefür solche Lebens- und Protestformen typisch sind, aufgefangen und euch gegen Diskriminierungen und Pöbeleien gewehrt.

Ihr habt euch schließlich nach einer Brandstiftung nicht entmutigen lassen und euer Camp neu aufgebaut.
 
Das alles soll euch erst einmal jemand nachmachen! Wenn nun die Stadt Kiel meint, ihr habt genug protestiert, ihr solltetnach Hause gehen und vorher den Rasen noch gut striegeln, dann nimmt sieeure Ziele nicht ernst. Euer Camp am Kleinen Kiel zwischen langweiligen Bankfassaden, kurzgeschorenen Rasenflächen in einer vermeintlich wohlgeordneten Stadt hatetwas positiv Verstörendes. Das Camp ist ein Teil echter demo- kratischerKultur, die die Konflikte sichtbar macht. Das stört viele Stadtpolitikerund Bürger, die ordentliche Fassaden und gepflegte Rasenflächen lieben,weil sie eine heile Welt vorgaukeln.

Für uns ist dieses Camp ein Ausdruck dessen, dass diese Welt eben nichtin Ordnung ist. Deswegen finden wir es gut, dass es euch gibt. Wirwerden euch weiterhin unterstützen, wo auch immer ihr eure Zelte aufschlagt.

Andreas Meyer für attac-Kiel