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Zu schnell und zu wenig !

01.05.2012 Es ist schon ein wenig bizarr: Ver.di schließt im öffentlichen Dienst mit 6,3 Prozent Lohnerhöhung über zwei Jahre ab, und durch die Presse geht ein wahrer Aufschrei. Das könnten sich die Kommunen nicht leisten, die Schmerzgrenze sei überschritten und so weiter. 6,3 Prozent auf zwei Jahre heißt, dass sich die Gewerkschaft in bewegten Zeiten, in denen es allen Ecken und Enden kriselt, für ein ganzes zusätzliches Jahr die Hände mit der Friedensfrist binden lässt. Und es heißt, dass angesichts der Inflation gerade so der Reallohn gesichert wird.
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Ein Erfolg sieht eindeutig anders aus, selbst wenn man der Ansicht sein sollte, dass beim Stand der Kräfteverhältnisse nicht mehr drin gewesen ist. Nach all den Jahren der Reallohnverluste, die so gut wie alle abhängig Beschäftigten und auch viele Freiberufler erlebt haben, muss endlich das Ruder rumgerissen werden. Dass so sehr viele Menschen denken, war bereits vor einigen Jahren während des Lokführerstreiks der GdL zu spüren.

Waren die Belegschaften also kampfbereit und nur die Gewerkschaftsführung mal wieder zu ängstlich? Wahrscheinlich ist die Situation etwas komplizierter. Der Autor dieser Zeilen kann die Lage nur von außen beurteilen, nimmt aber immerhin zur Kenntnis, dass auch viele linke Verdianer unzufrieden mit dem Abschluss sind.

So oder so muss die ver.di-Führung aber auf jeden Fall dafür kritisiert werden, dass sie so schnell abgeschlossen hat. Sie hätte ja auch die Sache etwas hinaus zögern können, um die Tarifkämpfe von Ver.di und IG Metall zusammen zu führen. Welche Dynamik hätte daraus entstehen können? Was hätte es für die Gesellschaft bedeutet, wenn diese Tarifkämpfe auch noch die Solidarität mit den Gewerkschaftern, Studenten und Rentnern in den südeuropäischen Ländern einbezogen hätten? Wenn in diesen Kämpfen einmal deutlich auf den Tisch gekommen wäre, dass die hiesigen Niedriglöhne die EU in ihre Schieflage gebracht haben? Wenn die Forderung nach einer massiven Rückverteilung von oben nach unten erhoben worden wäre, die die ganze Krise, EU-weit, mit einem Schlag auflösen könnte?

Leider muss man annehmen, dass genau das mit dem schnellen Abschluss vermieden werden sollte, und in sofern ist er auf jeden Fall eine Niederlage für die Linke. Darüber kann man jetzt rum jammern, oder aber die Frage stellen, wie wir, zum Teufel, endlich mal andere Ergebnisse bekommen und die Solidarität innerhalb der EU organisieren können. Hat jemand eine Idee?
   wop