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Falsche Alternativen

01. Mai 2011  Mancher Journalist mag es gerne einfach. Er liebt schwarzweiße Modelle. Wenn es also nun nicht mehr die Atomkraft sein soll, dann müssen eben neue Kohlekraftwerke her, und wenn die sauberen Energieträger ausgebaut werden sollen, dann geht es nur mit zusätzlichen Überlandleitungen.

Hat der Wirtschaftsminister schließlich gesagt. Und das Klima ist nur noch zu schützen, wenn das aus den Schornstein quellende Treibhausgas, das Kohlendioxid (CO2), abgetrennt, verflüssigt und in den Untergrund gepresst wird. Hat er auch gesagt. Die Bürger, die sich gegen all das wehren, sind halt nur dumme „Wutbürger“, die immer was zu meckern haben.  

So einfach ist die Welt, wenn man sie mit den Scheuklappen eines ehemaligen Hamburger Nachrichtenmagazins oder auch manchem anderen bürgerlichen Blattes betrachtet. So einfach und so falsch. Denn die Menschen in den Bürgerinitiativen wissen meist sehr genau, dass Energiepolitik wesentlich komplexer ist und dass die großen Energiekonzerne gerne mit diesen falschen Alternativen operieren, die so mancher Journalist gedankenlos bis diensteifrig nachplappert.

Die mehr als 3.000 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen, die nach den Behauptungen des Bundeswirtschaftsministers gebaut werden müssen, sind keineswegs allein für den Wind- und Sonnenstrom notwendig. Das meiste davon macht nur Sinn, wenn an der überholten zentralistischen Struktur mit großen Kohle- und Atomkraftwerken festgehalten wird. Dennoch wird die Bundesregierung voraussichtlich in den nächsten Monaten versuchen, im Schatten der Ausstiegsdebatte die Einspruchmöglichkeiten gegen entsprechende Projekte massiv einzuschränken.

Ähnlich das Muster bei der sogenannten CCS-Technik, dem Abtrennen und Einlagern von CO2. Diese ist ernsthaft nur für neue Kohlekraftwerke eine Option und das auch erst in mehr als zehn Jahren. Die Technik ist unausgereift, teuer, gefährlich und vor allem überflüssig. Wir brauchen keine neuen Kohlekraftwerke. Wenn Wind&Co. zügig ausgebaut und das Energiesparen forciert wird, dann können wir den Atomausstieg schon bis 2015 schaffen, wie Greenpeace vorgerechnet hat. Zusätzlich könnten in den kommenden Jahrzehnten die Kohlekraftwerke nach und nach abgeschaltet werden. Alles eine Frage der politischen Kräfteverhältnisse. Packen wir es an.              

(wop)

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Gebiete, für die RWE bereits eine Genehmigung hat, um dort nach potenziellen Lagerstätten für Kohlendioxid (CO2) zu suchen.

Die Kieler Montagsdemos für die Stilllegung aller Atomanlagen sollen im Mai fortgesetzt werden: Start um 18 Uhr Bahnhofsvorplatz in Kiel.  Am Samstag, den 28. Mai soll es eine größere Demo geben. An diesem Tag werden bundesweit in 20 größeren Städten Protestaufzüge stattfinden. Anlass: Im Juni läuft das Moratorium aus, mit dem sieben ältere Meiler vorübergehend vom Netz genommen wurden.

   

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