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„Die Ameise“ in Athen:

Solidarität mit Griechenland

Griechenland

01. November 2014 Am 24. September berichtete Christos Giovanopoulos aus Athen auf einer Veranstaltung des Kieler Soli-Komitees über die vielfältigen Netzwerke der praktischen Solidarität in Griechenland. Soziale Arztpraxen und Apotheken, soziale Lebensmittelgeschäfte, kostenlose Lebensmittelverteilung, Produzenten- und Konsumentennetzwerke, solidarische Nachhilfeunterrichtskurse, Orte und Treffpunkte alternativer Unterhaltung und Strukturen juristischer Unterstützung sind entstanden. „solidarity4all“ hat sich nicht als Ziel gesetzt, die vielfältigen Strukturen und die Aktionen der sozialen Solidarität zu vertreten oder deren einzige Stimme zu sein, sondern will einen landesweiten Knotenpunkt darstellen.

Es hat den Ehrgeiz, einen kleinen Beitrag zum Kampf für ein Leben ohne Memoranda und Troika, ohne Armut, Ausbeutung, Rassismus und Faschismus zu leisten; einen kleinen Beitrag für eine radikale und effektive soziale Opposition. Nach Auffassung von Christos stellen diese sozialen Netzwerke nicht nur überlebensnotwendige Hilfen für einen Großteil der griechischen Bevölkerung dar sondern können auch Keimformen für eine grundlegende andere Gesellschaft sein. Wenige Wochen nach der Veranstaltung besuchte Thrassyvoulos vom Kieler Griechenland-Solidaritätskomite das Soliprojekt, das die Kieler Gruppe seit einem Jahr unterstützt.            

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   (gst)

Besuch beim Soliprojekt Mirmigi in Athen

Anfang Oktober war es wieder soweit und ich besuchte unsere Ameise, griechisch Mirmigi, die Solidaritätsstruktur in Kypseli, ein großes, armes Viertel in Athen, das zu ungefähr 35% von Migranten bewohnt wird. Bewusst schrieb ich „unsere“ Ameise, weil wir, das Griechenlandsolidaritätskomitee Kiel, schon Anfang 2014 die Ameise finanziell unterstützt haben und deshalb eine besondere Affinität zu dieser Solidaritätsstruktur haben. Frisch war das Teil des alten Gebäudes gestrichen, das die Ameise beherbergt, neu war die Haustür, die letztes Jahr noch schwere Spuren des faschistischen Brandangriffs auf Mirmigi (Sommer 2013) zeigte, sauber und unglaublich gut organisiert die Räume. To Mirmigi zeichnet sich besonders dadurch aus, dass es anstrebt und zum großen Teil tatsächlich erreicht, dass sich die Empfänger der Solidarität auch selbst solidarisch zeigen, entweder dadurch, dass sie bei der Nahrungsmittel- und Kleiderverteilung mithelfen, dass sie kostenlosen Sprachunterricht anbieten, dass sie (und zwar mit beachtlichem Erfolg) organisatorisch mitwirken, dass sie bei der Kinderbetreuung einander helfen, dass sie – neben der professionellen - einander psychologische Hilfe leisten, dass sie für die Ameise notwendige praktische Arbeiten mit verrichten und dass sie nicht nur Empfänger, sondern auch Anbieter politischer und kultureller Bildung für die anderen sind. Es ist also im wahrsten Sinne des Wortes auch deren Gemeinschaft, deren Solidaritätsstruktur.

Da ich vor der abendlichen Nahrungsmittelverteilung bei der Ameise war, kam ich ins Gespräch mit den schon anwesenden griechischen Frauen und einem syrischen Mann, die mit zu den Organisatoren und Ausführenden der Verteilung gehören. Dabei habe ich unter anderem erfahren, dass sie Sorgen haben, erstens weil die Anzahl der MigrantInnen in Kypseli (wie in Athen im allgemeinen) um etwa 25% gefallen ist (die Gründe sind hauptsächlich zwei, nämlich die verheerende Arbeitslosigkeit und die damit einhergehende Perspektivlosigkeit der Menschen in Griechenland einerseits und das harte Durchgreifen der zum großen Teil offen rassistischen Polizei andererseits, die in großangelegten Operationen die MigrantInnen auf offener Straße verhaftet und in Polizeiautos zusammenpfercht, um sie dann oft direkt in den Flughafen oder Hafen zu bringen und des Landes zu verweisen), aber zweitens weil aufgrund der lange währenden und tiefer gehenden Krise die Hilfsbereitschaft der griechischen Bevölkerung leider um etwa 40% gefallen ist.

Deshalb braucht die Ameise nach wie vor - und eigentlich noch mehr denn je - unsere solidarische Unterstützung. Auch aus einem anderen Grund aber verdient die Ameise Unterstützung. Die Nazis, die leider in dem zu 40% von RentnerInnen bewohnten Stadtviertel relativ stark sind, hören nicht auf, die Ameise als Dorn im Auge und auch als Zielscheibe zu betrachten. Nicht nur haben sie versucht, Anfang des vergangenen Sommers die Ameise von Innen zu „erobern“, in dem sie einen noch jungen, scheinbar ganz normalen Mann schickten, der sich einmischen, mitwirken und mithelfen wollte, bald aber anfing, seine faschistische Ideologie zu verbreiten und schnell von der Ameise Gemeinschaft ausgeschlossen wurde, sondern sie haben am Abend meines Besuchs einen sehr groß gewachsenen, ungefähr 70jährigen, mit einer Kamera ausgerüsteten Herren zu der Ameise geschickt, der während der Nahrungsmittelverteilung ungebeten in die Räumlichkeit eindrang und zu fotografieren versuchte. Die Frauen informierten mich, dass der ältere Herr ein im Stadtviertel bekanntes Mitglied der Goldenen Morgenröte ist. Er wurde relativ sanft, aber unmissverständlich des Hauses verwiesen. Das war leider bestimmt aber nicht der letzte Versuch der Nazis, die Ameise zu stören... Um mehr über die Ameise zu lesen, besuchen Sie unsere Webseite. (1)

Wirken Sie bei unserem Komitee mit! Lernen Sie über die Krise und ihre Ursachen das, was die Mehrheit der etablierten Medien nie berichtet! Erfahren Sie, was die Krise in Griechenland und dem gesamten Süden Europas für uns hier bedeutet und wie sehr wir auch von ihr betroffen werden können! Zeigen Sie sich solidarisch mit der notleidenden Mehrheit der Menschen in Griechenland, ob GriechInnen oder MigrantInnen! Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker! 

(Thrassyvoulos)