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Tag der Befreiung

01. Mai 2015 Am 8. Mai jährt sich zum siebzigsten Mal die Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Natürlich hütet sich das offizielle Deutschland, von Befreiung zu sprechen. Derweil hat sich die Geschichtspolitik angepasst: Herrschte in den ersten Jahrzehnten Verdrängen und Leugnen vor, ist die Sprachregelung heute etwas differenzierter. Ersteres hatte den Nachteil, dass es zu durchschaubar und dem Nachwuchs kaum zu vermitteln war. Da ist die moderne Lesart von der allgemeinen Schuld der Deutschen schon deutlich praktischer, besser gegenüber dem Ausland zu vertreten und eine flexiblere Antwort auf die kritischen Fragen der Jungen. Und dennoch umgeht sie zwei wesentliche Aspekte: Ursache und Verantwortung.

Es sollte eigentlich eine Binsenweisheit sein, dass die NSDAP seit dem dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise massiv von weiten Teilen der deutschen Industrie unterstützt und schließlich an die Macht gebracht wurde, und dass diese dafür zwei wesentliche Gründe hatte: Erstens, die Zerschlagung der Gewerkschaften, der KPD und der SPD. Zu den ersten Maßnahmen der Nazis gehörte die Abschaffung des von der Novemberrevolution erkämpften Acht-Stunden-Tags, und die ersten Insassen der KZs waren Kommunisten und Sozialdemokraten. Und zweitens: Die Eroberung von Rohstoffquellen und Absatzmärkten. Letzteres hat langfristig zum Glück nicht geklappt. Aber auch so haben Industrie und Handel prächtig von der verschärften Ausbeutung der deutschen Arbeiter, der Enteignung der jüdischen Bevölkerung, der Ausplünderung der besetzten Gebiete und der extremen Ausbeutung von Millionen KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern profitiert. Zurück zahlen mussten sie in den seltensten Fällen, wie auch der deutsche Staat zwar Renten an ehemalige SS-Soldaten im Baltikum zahlt, aber sich noch immer weigert, Griechenland für die begonnenen Verwüstungen und Massaker zu entschädigen.

An all dies sollten wir uns am achten Mai erinnern. Und wir sollten all jener Widerstandskämpfer und Deserteure gedenken, die vom offiziellen Deutschland noch immer verleugnet werden, die oft unter Lebensgefahr gegen die Nazi-Verbrechen und für unsere Freiheit kämpften. 

(wop)