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DGB zur Mieten in Kiel:

Prekär hohe Belastung durch Mieten

01. April 2018 Rund 40 Prozent der Haushalte in Kiel müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens und knapp 17 Prozent der Haushalte in Kiel müssen gar mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben, um ihre Miete (bruttokalt) zu bezahlen. Das entspricht rund 100.000 Haushalten, in denen etwa 145.000 Menschen leben. Etwa 40.000 Haushalte in Kiel haben nach Abzug der Mietzahlung nur noch ein Resteinkommen, das unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze liegt. 

„Kiel wächst und die Zahlen belegen eindeutig, die Stadt ist mit einem höchst angespannten Wohnungsmarkt konfrontiert. Die Wohnbedingungen sind damit nicht nur ein Spiegel bestehender Ungleichheit, sondern tragen auch selbst durch die hohe Mietkostenbelastung zu einer wachsenden Ungleichheit bei. In Kiel liegt die relative Mietbelastung deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt“, so Frank Hornschu, Vorsitzender des DGB Kiel Region, und weiter: „Wie soll denn ein Gemeinwesen in unserer Stadt funktionieren, wenn Durchschnittsverdiener wie eine Krankenschwester, eine Polizistin, ein Feuerwehrmann, ein Busfahrer, ein Mann der Müllabfuhr es sich nicht mehr leisten können, dort zu wohnen, wo ihre Arbeitsstelle liegt? Die Baulandpreise explodieren seit Jahren, die Mietpreisbremse wirkt nur partiell.

Die Privatisierung öffentlicher Wohnungseinrichtungen war auch hier ein großer politischer Fehler. Wohnen zählt zu den Grundbedürfnissen! Deshalb erwarten die Gewerkschaften von der Politik einen grundlegenden Kurswechsel und den konsequenten Aufbau von öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften und/oder -genossenschaften. Für mindestens 30 Prozent am Wohnungsmarkt sind sozialgebundenen und bezahlbaren Wohnraum ohne weiteren zeitlichen Verzug zu bauen und wieder dauerhaft bereitzuhalten. Bund und Land sind auch hier zur vollumfänglichen Unterstützung der Kommunen aufgefordert.

Die Stadt Kiel muss jetzt massiv intervenieren, um den aus dem Lot geratenen Immobilienmarkt spekulationsfrei zu bekommen. Intervenieren heißt hier Arbeit und Wohnen zusammenzudenken und investieren – in den Bau von bezahlbarem Wohnraum. Erst wenn genügend öffentlicher-sozialer und bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist, werden sich die aus der Kontrolle geratenen Preise normalisieren.“

Bei Sozialwissenschaftlern wie bei Immobilienexperten gilt eine Mietbelastungsquote oberhalb von 30 Prozent des Haushaltseinkommens als problematisch, weil dann nur noch relativ wenig Geld zur sonstigen Lebensführung zur Verfügung bleibt, insbesondere bei Menschen mit kleineren Einkommen.

Die mittlere Mietbelastung (Medianwert) aller Großstadthaushalte liegt bei 27 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt eine, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Wissenschaftler haben dafür Daten des Mikrozensus ausgewertet.

 https://www.boeckler.de/106575_110740.htm