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Kommentar:
Die deutsche Bombe

Sind wir eigentlich von allen guten Geistern verlassen?
Das Bürgertum diskutiert ernsthaft die Beschaffung von Atomraketen und -bomben. Auch vom Grünen-Idol Joschka Fischer kommt ein entsprechender Vorstoß. Ein Bundeswehrgeneral fordert gar, dass taktische Atomsprengköpfe angeschafft werde. Diese könnten dann mit Artilleriegeschützen abgeschossen werden und würden die Schwelle zu einem Atomkrieg weiter absenken. Da fragt sich doch, ob diese Herrschaften mit dem Klammerbeutel gepudert wurden. Was glauben die wohl, würde von Deutschland und den hier lebenden Menschen in einem solchen Krieg übrigbleiben? Ist nicht schon der Krieg in der Ukraine genug Anschauung dafür, was selbst ein konventioneller Krieg bedeuten würde, wenn NATO-Staaten und Russland aufeinanderstießen?

Wer Atombomben hat und mit ihnen abschrecken will, muss auch bereit sein, sie einzusetzen. Sonst wirkt die Abschreckung nicht. Die Regierung in Washington war es in den 1980er Jahren, und es war eher der aktiven Spionage der Gegenseite zu verdanken, dass brenzlige Situationen nicht fehlinterpretiert wurden und in einen Atomkrieg mündeten. Wie es aussieht, geht es derzeit mit Sieben-Meilen-Stiefeln wieder in die gleiche Richtung. Längst gibt es einen neuen kalten Krieg mit Russland, und in Berlin, Brüssel, Rom oder Paris scheint man keine Bedenken zu haben, daraus auch einen heißen werden zu lassen. Anders ist die irrsinnige Aufrüstung, der Wunsch nach noch mehr Atombomben und auch die hiesige Stationierung von US-Mittelstreckenraketen, die Moskau mit minimaler Vorwarnzeit von fünf bis acht Minuten erreichen könnten, kaum zu verstehen.

Dabei wird es dereinst vollkommen egal sein, wer den Finger als Erstes am Abzug hatte: Ein Atomkrieg würde in Mitteleuropa auf jeden Fall eine menschenleere Wüste hinterlassen. Und nicht nur das: Die größten derzeit einsatzbereiten Atombomben haben – jede für sich – die Fünffache Sprengkraft aller im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Bomben – inklusive der beiden Atombomben. Ein atomarer Schlagabtausch zwischen den USA und Russland würde durch die gewaltigen Explosionen und Feuersbrünste so viel Staub und Ruß aufwirbeln, dass die Sonne erheblich verdunkelt würde. Die Erde würde in einem mehrjährigen nuklearen Winter versinken und ein erheblicher Teil der Menschheit verhungern. Und all das, um gegen Putin das Recht der EU zu verteidigen, Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen? (wop)