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Wie 1914

01. April 2014 Sind eigentlich alle wahnsinnig? Natürlich ist Putin kein lupenreiner Demokrat. Aber wer aus dem hiesigen Heuchlerchor hat sich darum geschert, als Tschetscheniens Hauptstadt Grosni dem Erdboden gleichen gemacht wurde und Tausende in den Folterkellern verschwanden? Und ist der Westen auch nur um ein kleines Deut besser? Was ist mit Guantanamo, das der nachmalige Friedensnobelpreisträger Barack Obama in seinem ersten Wahlkampf zu schließen versprach? Was mit dem irakischen Gefängnis Abu Ghuraib, im dem Amis folterten? Oder mit den rund 25.000 Menschen, die die EU, ein anderer Friedensnobelpreisträger, an ihren Südgrenzen in den letzten 20 Jahren ertrinken ließ?

 

Es ist eigentlich ganz offensichtlich: Beim Streit zwischen dem Westen und Russland geht es weder um Demokratie noch um Freiheit für die dort lebenden Menschen. Es geht nicht um deren Selbstbestimmungsrecht oder deren Wohlstand, sondern um Macht und Einflusssphären. Russland möchte vor allem den militärisch wichtigen Marinestützpunkt auf der Krim absichern, und die EU die Ukraine aus der engen wirtschaftlichen Verflechtung mit Russland heraus brechen. Genau das wird nämlich das Ergebnis des Assoziierungsabkommen zwischen Ukraine und EU sein. Während die Zollgrenzen im Westen fallen wird Russland, um nicht über den Umweg Ukraine mit unerwünschten billig EU-Produkten überschwemmt zu werden, neue Zollgrenzen errichten müssen. Nebenbei oder vielleicht auch nicht ganz so nebenbei, geht es auch mal wieder darum, wer die in Frage kommenden Pipelinerouten aus Zentralasien nach Europa kontrolliert.

Das ist der Hintergrund der verlogenen Dämonisierungskampagne, die gerade gegen Russland läuft, und die Parallelen zu, Beginn des 20. Jahrhunderts sind gerade zu erschreckend. Statt den entstandenen Konflikt zu deeskalieren wird immer weiteres Öl ins Feuer gegossen, und zwar nicht nur von der US-Regierung, sondern auch von diversen Regierungen der EU-Mitgliedsländer, auch der deutschen, obwohl ein erheblicher Teil der hiesigen Industrie kurzfristig einiges zu verlieren hat, wenn die Geschäfte mit Russland nicht mehr laufen. Offensichtlich ist die deutsche Bourgeoisie wie 1914 noch immer bereit, sich in militärische Abenteuer zu stürzen, die an der psychischen Gesundheit der Beteiligten zweifeln lassen. Die Suppe werden auf jeden Fall wir auszulöffeln haben.         

(wop)