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Mordanschlag für „unsere Kohle“

Umwelt- und Klimaschützer sind weltweit unter Beschuss; je härter der Klassenkampf oder je repressiver der jeweilige Staat, desto mehr. In vielfältiger Weise stehen sie den Interessen großer und kleiner Kapitalisten im Wege, Interessen an ungehinderter, rücksichtsloser Ausbeutung von Ressourcen, seien es Öl, Gas Kohle oder Erze, Interessen an der Abholzung von Urwäldern zu Gunsten des Agrobusiness, Interessen am profitablen Geschäft mit dem Erd- und Frackinggas, das neue Flüssiggasterminals benötigt, Interessen an ungehindertem Geschäft der Automobilindustrie mit veralteter, tödliche Schadstoffe produzierender Technik und rücksichtsloser Organisation des Verkehrs. Manchmal werden sie von Militärregierungen aufgehängt, wie es 1995 dem nigerianischen Schriftsteller, Lehrer und Aktivisten Ken Saro Wiwa erging, der gegen die Umweltverwüstungen der von Shell im Nigerdelta angerichteten Verwüstungen bei der Ölförderung aufbegehrte. Oft werden sie von Auftragsmördern oder Paramilitärs umgebracht. Die Plattform Global Witness dokumentierte für 2024 – für das vergangene Jahr liegt noch keine Übersicht vor – 146 ermordete Umweltschützer. Mit Abstand die meisten Fälle gab es in Lateinamerika – 48 allein in Kolumbien –, aber auch in Indonesien, auf den Philippinen, in der Türkei, in verschiedenen afrikanischen Ländern und in Russland lebten Umweltschützer gefährlich. Seit 2012 hat die Organisation gar 2.200 Morde oder Fälle langfristig Verschwundener registriert.
Viele der weltweit größten Bergbaukonzerne, die oft hinter den Verbrechen stecken oder zumindest von ihnen profitieren, haben ihren Sitz in der EU oder auch in der Schweiz, wie etwa Glencore, der neben vielem anderen in Kolumbien mit El Cerrejón eine die weltweit größte Kohlegrube betreibt, aus der auch hiesige Kraftwerksbetreiber Steinkohle beziehen. Unter dem Tagebau in der Provinz Guajira haben die Anwohner stark zu leiden. Die Gewässer werden verschmutzt, das Wasser knapp, die Luft ist erfüllt von gefährlichem Staub. Nun berichtet TerraJusta, eine international agierende NGO für soziale, ökologische und ökonomische Gerechtigkeit mit Sitz in Bolivien, von einem am 12. Dezember durchgeführten Mordanschlag auf Misael Socarrás Ipuana den dieser glücklicherweise überlebte. Ipuna ist seit vielen Jahren als Verteidiger des Flusses Bruno und seiner Anwohner bekannt. Das hiesige Kapital ist nicht ganz unbeteiligt an dem, was anderswo mit Umweltschützern geschieht, und wehrt sich entsprechend mit Händen und Füßen gegen ein Lieferkettengesetz, dass es zur Verantwortung ziehen könnte. (wop)