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Das Massaker von Distomo in Griechenland am 10.06.1944

01. Juli 2014 In vielen besetzten Ländern haben die Nazis während des zweiten Weltkrieges furchtbare Massaker an die Zivilbevölkerung verübt. Die Namen Lidice und Oradour sind vielen Menschen in Deutschland wohl bekannt. Weitgehend unbekannt hingegen ist es der deutschen Bevölkerung, dass an genau dem selben Tag von Oradour, am 10.06.1944, die Nazis auch ein Massaker an die Zivilbevölkerung vom griechischen Distomo verübt haben. Distomo steht exemplarisch für eine Reihe von vielen Dutzenden Massakern an die griechische Zivilbevölkerung, die die Nazis verübt hatten. Es gibt für das Massaker von Distomo erdrückende geschichtliche Beweise, aber bis heute keine Sühne und keine Entschädigung...

Das Massaker von Distomo war kein Betriebsunfall, kein Amoklauf, sondern Folge von Befehlen, „schärfste Maßnahmen“ zur Partisanenbekämpfung zu ergreifen. Das Massaker wurde von der 2. Kompanie des Regiments 7 der 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division unter SS-Hauptsturmführer Fritz Lautenbach verübt worden. Um die 250 Zivilisten wurden auf zum Teil brutaler und sadistischer Art und Weise umgebracht und die Häuser des Dorfes niedergebrannt. Das älteste Opfer war 85 Jahre alt, das jüngste zwei Monate. Ganze Familien wurden ausgelöscht.

Was war davor geschehen? Die Kompanie sollte das Gebiet um Distomo von Partisanen „säubern“. Nach einem Gefecht mit Partisanen weit außerhalb des kleinen Ortes kehrten die Nazis zurück nach Distomo und rächten sich im Rahmen der seit 1943 in Griechenland fast wöchentlich durchgeführten „Säuberungs- und Vergeltungsaktionen“ an die unschuldige und wehrlose Zivilbevölkerung auf unmenschlicher Art und Weise.

Diese Aktionen zielten auf die Bekämpfung der starken Partisanenarmeen der EDES und besonders der ELAS, die bis Sommer 1944 so erfolgreich im Kampf gegen die Nazis waren, dass sie große Teile des griechischen Territoriums de facto befreit hatten. Die Nazis dachten, dass der Terror an die Zivilisten den Widerstand erfolgreich bekämpfen würde. Sie haben sich zwar getäuscht, aber die Zivilbevölkerung zahlte einen sehr hohen Blutzoll...

Im Falle Distomo kam hinzu, dass die Nazis eine alliierte Landung an den Golf von Korinth fürchteten. Sie wollten deshalb das Hinterland des Golfes, in dem sich auch Distomo befand, von Partisanen und allerlei Widerstand „säubern“, bevor die Alliierten landeten.

Das Massaker von Distomo wurde sehr schnell international bekannt, was aber zu fast keinerlei Bestrafungen und absolut keine Entschädigung nach dem Ende des Krieges geführt hat. Nur der Oberkommandierende General des LXVIII. Armeekorps, Hellmuth Felmy, dem die Truppen unterstanden, die das Massaker verübt haben, erhielt 1948 im Prozess gegen die faschistischen Südostgeneräle, auch wegen Distomo eine Strafe von 15 Jahren Zuchthaus. Er verließ am 15.12.1951 das Gefängnis, weil er begnadigt wurde. Der kalte Krieg war im vollen Gange und die Westmächte brauchten den westdeutschen „Wehrbeitrag“. „Deutsche Soldaten“ durften nicht als Kriegsverbrecher stigmatisiert werden.

In Westdeutschland wurde keiner der Mörder je verurteilt. Das Landgericht München I stellte 1972 Verfahren wegen Verjährung ein. Nicht nur die strafrechtliche Sühne blieb aus, den überlebenden Dorfbewohnern und den Nachfahren der Opfer wurde bis heute auch Entschädigung verweigert.

Wir wollen zusammen mit der AK Distomo, die seit vielen Jahren um Anerkennung des Massakers, Sühne und Entschädigung, d.h. Gerechtigkeit, kämpft, über das Massaker von Distomo, den geschichtlichen Hintergrund, die Folgen und besonders über die Rolle der BRD vor und nach 1990, sowie die Lage und die Aussichten des Kampfes um Entschädigung sprechen.

Vor allem aber wollen wir die Fragen beantworten, was geht uns das als BürgerInnen dieses Landes heute an und welche Rolle spielen die Entschädigungsforderungen an den Kampf gegen die ungerechte Politik des von der Bundesregierung maßgeblich mit verantworteten sozialen Massakers an die große Mehrheit der griechischen Bevölkerung heute.

Eine Veranstaltung des Griechenland-Solidaritäts-Komitees Kiel mit dem AK Distomo, Hamburg:

Do.,10.7.2014, 19.00 Uhr, Pumpe, Haßstr. 22

(gst)