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Gedenkstätte Gudendorf:

Schluss mit der Konfronta­tionspolitik gegen Russland!

Die Initiative Blumen für Gudendorf lädt zu einer Mahn- und Gedenkkundgebung am Samstag, 8. Mai 2021, 14 Uhr, an der Gedenkstätte in Gudendorf ein – sofern die Pandemiebedingungen es zulassen. Im Lager Gudendorf waren bis Kriegsende sowjetische Kriegsgefangene untergebracht. Viele starben an Unterernährung und durch nicht behandelten Krankheiten. Seit den 1980er Jahren ruft die Initiative Blumen für Gudendorf jeweils zum 8. Mai zu einer Mahn- und Gedenkveranstaltung auf.

In dem diesjährigen Aufruf der Initiative heißt es: „2021 wird der 8. Mai in Schleswig-Holstein erstmals als offizieller Gedenktag begangen. Diese überfällige Würdigung begrüßen wir, denn der 8.Mai 1945 als Datum der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht markiert das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Die Millionen Opfer der Schreckensherrschaft waren nicht nur Kriegsopfer aus Kampfhandlungen, sondern auch Opfer der Zivilbevölkerung: Opfer des Genozids, Opfer der Konzentrationslager, Opfer der Strafaktionen in den besetzten Gebieten.

Mit der Wiederbelebung alter Feindbilder gegenüber Russland wird eine Konfrontationspolitik aufgebaut, die eine Entspannungspolitik und freundschaftliche Beziehungen mit Russland erschwert. Gerade gegenüber dem Land, das im Zweiten Weltkrieg die meisten Toten zu beklagen hatte und zu den Befreiern gehört, haben wir eine große Verantwortung. Die militärische Konfrontation ist beunruhigend, aus russischer Sicht müssen die zunehmenden Seemanöver in der Ostsee und die amerikanischen Großübungen Defender mit der Verlegung einer großen Zahl von Soldaten nach Dänemark und in das Baltikum und an die russische Süd- und Westgrenze als Provokation empfunden werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Deutschland und andere NATO-Staaten sich an diesen Militärübungen beteiligen.

Eine Politik des friedlichen Miteinanders aber wäre das Gebot der Stunde, wie dies die 1990 von allen europäischen Staaten einschließlich Russland, den USA und Kanada verabschiedete Charta von Paris vorsieht: „Das Zeitalter der Konfrontation und der Teilung Europas ist zu Ende gegangen. Wir erklären, dass sich unsere Beziehungen künftig auf Achtung und Zusammenarbeit gründen werden.“ Wir betonen, dass gutnachbarschaftliche Beziehungen zu Russland eine Voraussetzung für den Frieden in Europa sind. Das wollen wir am Sonnabend, dem 8. Mai 2021 in Gudendorf noch einmal nachdrücklich bekunden.“

Bild: Auch in diesem Jahr beteiligte sich die Gedenkstätte Gudendorf am 27. Januar an der bundesweiten Lichteraktion zum Gedenken an die Befreiung an das KZ Auschwitz. Foto: G. Orth

Als Gastrednerin ist die Historikerin Verena Meier eingeladen. Sie wird ihr neues Geschichtswerk über das Lager für sowjetische Kriegsgefangene in Gudendorf vorstellen. Außerdem werden ein/e Vertreter/in des russischen Konsulates Hamburg sprechen sowie Staatssekretär Dr. Oliver Grundei aus dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein. Vor der Gedenkveranstaltung werden Schüler/innen der Gemeinschaftsschule in der der Nähe der Gedenkstätte ein selbst entwickeltes „Denkmal“ in Form eines Bootes der Öffentlichkeit übergeben.

Die Gedenkveranstaltung findet statt am Mahnmal in Gudendorf am Samstag, 8. Mai 2021, 14 Uhr.

(Benno Stahn, Kieler Friedensforum)