Daten/Fakten  

   

Beiträge

Details

Schulstreik gegen die Wehrpflicht zum 4. Mal in Kiel

Knapp 1.000 Schüler/innen versammelten sich am 25.9.2026 zum vierten Schulstreik in Kiel gegen Aufrüstung, Militarisierung und Wehrpflicht auf dem Exerzierplatz. Stark vertreten war wieder die Kieler Waldorfschule, die Gymnasien wie die Hebbelschule, die Humboldtschule und die Käthe Kollwitz Schule, aber auch die RBZ Wirtschaft, Technik, Pädagogik und Soziales sowie Studenten der CAU und die junge GEW. Auch diesmal waren wieder viele aus dem Umland angereist, z. B. aus Rendsburg, Neumünster und Plön.

Mit Slogans wie „Bundeswehr raus aus unseren Schulen!“ und „Für Bildung statt Bundeswehr“ wehrten sich die Schüler/innen besonders gegen das immer häufigere Auftreten von Jungoffizieren an den Kieler Schulen. Natürlich fehlte auch der Spruch „Merz leck Eier“ nicht. Ein Schüler, der auf einer früheren Schulstreik-Demo von der Polizei festgenommen und der Beleidigung angeklagt worden war, hatte den Stein ins Rollen gebracht. „Was soll Merz?“ - „Eier lecken!“ erscholl es aus tausenden jugendlichen Kehlen und ebenso laut wie trotzig: „Wehrpflicht? - Nein, nein, nein!“
Die Schulstreik-Demo verlief auf der gewohnten Route durch die Kieler Innenstadt und endete mit den Abschlusskundgebungen vor der CDU-Zentrale in Bahnhofsnähe. (bm)

Redebeitrag aus der Waldorfschule:

Moin Kiel
Ich bin Janek von der Waldorfschule Kiel.
Wir stehen heute schon zum 4. Mal hier auf dem Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Wir sind heute hier, weil wir die Schnauze voll haben.
Wir sind hier, weil wir verarscht werden und wir haben die Schnauze voll davon, dass uns erzählt wird, für uns sei kein Geld da.
- Kein Geld für unsere Schulen.
- Kein Geld für unsere Zukunft.
- Kein Geld für soziale Einrichtungen.
- Kein Geld für bezahlbare Wohnungen.

Aber wenn es um Aufrüstung geht, dann sind plötzlich Milliarden da.

Und während wir uns fragen, wie wir zuhause uns die Miete noch leisten sollen, wie wir das nächste Ticket bezahlen sollen, wie wir uns überhaupt noch einen Döner holen können oder ob wir uns das Konzert, auf das wir uns seit Monaten freuen, überhaupt noch leisten können, werden gleichzeitig Milliarden in Waffen gesteckt.

Uns wird gesagt: Es muss gespart werden. Aber offenbar gilt das nicht für die Aufrüstung. Und dann sollen wir glauben, das alles hätte nichts miteinander zu tun? Wenn immer mehr Geld in Militarisierung fließt, dann müssen wir fragen: Wo fehlt das Geld dann eigentlich? Wir sind Schüler. Wir sehen, was an unseren Schulen fehlt. Wir sehen, wenn Unterricht ausfällt. Wir sehen, wenn Gebäude kaputt sind. Wir sehen, wenn soziale Angebote gestrichen werden.

Und gleichzeitig bekommen wir an unserer eigenen Schule zehn Jugendoffiziere, bevor wir überhaupt beigebracht bekommen, wie man verweigern kann. Bevor wir über Zivildienst sprechen. Bevor wir darüber sprechen, welche Möglichkeiten es gibt, sich einem Militärdienst zu entziehen. Bevor wir überhaupt ernsthaft darüber sprechen, was es bedeutet, wenn ein Staat von jungen Menschen erwartet, im Zweifel in den Krieg zu ziehen. Da steht plötzlich die Bundeswehr vor uns.

Und uns wird erzählt: Das ist normal. Das ist Sicherheit. Das ist Verantwortung. Und dann gehen wir in den Erdkundeunterricht. Dort lernen wir vom „moralischen Westen“. Wir lernen von Menschenrechten. Wir lernen von Demokratie. Wir lernen davon, dass Deutschland aus seiner Geschichte gelernt hat. Wir lernen, dass Deutschland Verantwortung trägt. Und gleichzeitig sehen wir selbst hier in Kiel, aber auch aus ganz Deutschland, wie Waffen nach Israel geschickt werden, um da seit Jahren einen Völkermord zu unterstützten, wie verurteilte Kriegsverbrecher in Berlin mit offenen Armen empfangen werden und mit den grausamsten Regierungen der Welt gerne mal ein Handel um Waffen und Öl abgewickelt wird. Wir hören das Wort „Verteidigung“. Wir hören das Wort „Sicherheit“. Aber gleichzeitig wird aufgerüstet. Und dann wird uns gesagt: Diese Aufrüstung soll Frieden schützen. Aber wir müssen fragen: Wofür denn, was „verteidigen“ wir denn mit unserem Tod ? Uns ja offensichtlich nicht und wenn meine Oma früher stirbt, weil das Geld statt in die Pflege in Panzer gesteckt wird, sie wohl auch nicht. Geht es also wirklich um unsere Verteidigung?

Oder geht es auch um Macht? Um geopolitische Interessen? Um die Bereitschaft, militärische Gewalt als Mittel der Politik einzusetzen? Um die Sicherung von Profiten, für die wir zwar am besten ein Leben lang schuften sollen, aber nicht daran beteiligt werden.

Wir sind diejenigen, die mit den Konsequenzen leben müssen. Und vielleicht ist es trotz alledem für manche immer noch eine abstrakte Diskussion. Bis jemand aus unserer Klasse betroffen ist. Bis jemand aus meiner Klasse zur Musterung muss. Bis der erste Befehl kommt und die erste Mutter nur eine Blech Plakette statt uns zurück bekommt. Dann ist es plötzlich kein abstrakter Begriff mehr. Dann ist es kein Zeitungsartikel mehr. Dann ist es kein Politiker, der irgendwo im Bundestag eine Rede hält. Dann ist es ein Mitschüler. Ein Mensch, den wir kennen. Einer von uns. Aber dann ist es zu spät.

Und genau deshalb stehen wir hier. Nicht, weil wir naiv sind. Nicht, weil wir die Welt nicht verstehen. Sondern weil wir sehr genau verstehen, wer am Ende die Konsequenzen tragen muss, egal, ob wir schon im Krieg sterben sollen, oder nur in völlig überlasteten Krankenhäusern. Es sind nicht diejenigen, die heute über Milliarden entscheiden. Nicht diejenigen, die heute in irgendwelchen Sitzungssälen über Verteidigungshaushalte diskutieren. Sondern wir. Unsere ganze Generation.

Wir sind die Generation, die sich keine Wohnung leisten kann, die sich aber gleichzeitig auf Krieg vorbereiten soll. Wir sind die Generation, der gesagt wird, sie müsse verzichten.

Verzicht beim Wohnen. Verzicht beim Essen. Verzicht bei Kultur. Verzicht bei Bildung. Aber bloß nicht beim Militär.

Wir lassen uns aber nicht weiter verarschen Wir lassen uns nicht erzählen, dass für unsere Zukunft kein Geld da ist, während für Waffen immer neues Geld gefunden wird. Das ist unsere Zukunft. Wir wollen keine Generation sein, die gelernt hat, mit Krieg zu leben. Wir wollen eine Generation sein, die gelernt hat, friedlich auf der ganzen Welt zusammenzuleben. Wir wollen Pflegebetten statt Panzer. Wir wollen es uns leisten können, auszuziehen, wenn wir mit der Schule fertig sind. Wir wollen Bildung statt Militarisierung. Wir wollen Zukunft statt Angst. Denn unsere Zukunft gehört nicht der Bundeswehr. Sie gehört nicht den Rüstungskonzernen. Sie gehört nicht den Politikern, die heute über unsere Köpfe hinweg entscheiden. Sie muss uns gehören.

Uns kriegt ihr nicht, hoch die internationale Solidarität.

   
爱思助手汽水音乐下载易歪歪汽水音乐telegramtelegram下载tg下载telegram