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Etappensieg

01.08. 2012 Und noch ein Kohlekraftwerk verhindert. Mitte Juli hat Südweststrom aus Tübingen, hinter dem zahlreiche süddeutsche Stadtwerke stehen, das Aus für seine Kohlepläne an der Elbe verkündet. Ursprünglich hatte man in Brunsbüttel schon 2009 mit dem Bau eines neuen Kohlekraftwerkes beginnen wollen, aber der Widerstand der örtlichen Bürgerinitiative und diverse Klagen von Umweltverbänden haben zu einer mehrjährigen Verzögerung gesorgt. Wie gewöhnlich wird nun versucht die Rolle der Proteste klein zu reden. Südweststrom begründete seine Entscheidung vor allem mit der fehlenden politischen Unterstützung durch die neue Landesregierung.
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Tatsächlich haben aber eine ganze Reihe der beteiligten Stadtwerke zuhause den Druck von Umweltschützern zu spüren bekommen. Letztlich war es wohl eine Mischung aus erheblichen politischen Widerständen und wirtschaftlichen Erwägungen, die zum Rückzug führten. Einerseits wird nämlich künftig der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Stromerzeugung weiter zunehmen. Im vergangenen Jahr deckte er bereits rund 20 Prozent des deutschen Verbrauchs und in diesem Jahr werden es nochmals einige Prozentpunkte mehr sein. Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass Kohlekraftwerke in den nächsten Jahrzehnten noch genug Strom absetzen können, um wirtschaftlich zu arbeiten. Andererseits hat sich die Kohle in den letzten Jahren deutlich verteuert und dürfte künftig noch mehr im Preis steigen. Und schließlich müssen die Kraftwerksbetreiber damit rechnen, künftig eventuell deutlich mehr für Emissionsrechte bezahlen zu müssen, wenn der Druck für Klimaschutzmaßnahmen stärker werden sollte.

Das Aus in Brunsbüttel war also ein wichtiger Teilerfolg, zumal es sich mit 1.800 Megawatt (MW) um eines der größten neuen Kraftwerke gehandelt hätte. Insgesamt sind in den letzten Jahren weit über ein Dutzend ähnlicher Vorhaben gekippt worden – unter anderem ein weiteres in Brunsbüttel und nicht zuletzt der Neubau in Kiel-Dietrichsdorf, wobei lokaler Widerstand meist eine wichtige Rolle gespielt hat. Aber eine ganze Reihe Pläne werden weiterverfolgt, darunter auch zwei weitere Vorhaben in Brunsbüttel. Es bleibt also noch viel zu tun, wie auch die jüngsten Äußerungen des neuen Bundesumweltministers und des Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie zeigen, die beide gerne die Erneuerbaren ausbremsen würden.   
 (wop)