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Warnstreiks der privaten Busfahrer:

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert

01. Dezember 2012  Wegen eines Warnstreiks der Fahrer sind am 16.11. erneut zahlreiche Busse privater Unternehmen in Schleswig-Holstein in den Depots geblieben. Betroffen waren Pendler und Schüler in den Kreisen Ostholstein, Pinneberg, Stormarn, Segeberg und Herzogtum Lauenburg. Auch in Lübeck fuhren viele Linienbusse nicht. 300 Busfahrer beteiligten sich an dem Warnstreik, sagte der Sprecher der Gewerkschaft Verdi, Gerhard Mette. Zehn Tage zuvor blieben schon 160 Busse in Kiel und Lübeck am Vormittag in ihren Depots.
Seit Ende September kommt es in der Tarifauseinandersetzung zwischen dem Omnibusverband Nord (OVN) und verdi-nord immer wieder zu Warnstreiks von Busfahrern in den verschiedenen Regionen Schleswig-Holsteins. Die Warnstreikserie begann am 28. September: An diesem Tag legten 220 Beschäftigte im Süden des nördlichsten Bundeslands die Arbeit nieder. 90 Prozent aller Busse der betroffenen Betriebe waren in ihren Depots geblieben.Sie forderten mit ihrer Arbeitsniederlegung eine Angleichung ihrer Gehälter an das Niveau des Tarifvertrags Nahverkehr (TV-N), nachdem die zweite Verhandlungsrunde mit den Unternehmern erfolglos geblieben war.Die Beschäftigten der Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein haben das berechtigte Ziel, dass alle Arbeitnehmer für die gleiche Tätigkeit gleich entlohnt werden.
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Derzeit beträgt die Lücke zwischen OVN-Tarif (privat) und TV-N (öffentlich) im Durchschnitt 155 Euro, in der Spitze sogar bis zu 360 Euro. Während die privaten Busunternehmer auf dem Land zwischen 2000 und 2100 Euro im Monat zahlen, steigt der Verdienst im öffentlichen Nahverkehr mit zunehmender Betriebszugehörigkeit auf knapp unter 2500 Euro an. Verdi-Nord-Streikleiter Mette beziffert die geforderte Tariferhöhung auf durchschnittlich 7,5 bis acht Prozent. In Betrieben, in denen die meisten Beschäftigten zwanzig Jahre oder länger arbeiten, könne die Differenz zum OVN-Niveau bis zu 13 Prozent betragen. Das Angebot der Arbeitgeber in der 2. Verhandlungsrunde sah bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 28 Monaten eine Erhöhung ab 1.7.2012 um 1,6 %, eine weitere Erhöhung ab 1.7.2013 um 1,4 % und ab 1.1.2014 um 2,0 % vor. Nach gewerkschaftlichen Berechnungen entspricht das einer Anhebung um gut 2,2 % auf Jahresbasis.
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"Das erinnert ein wenig an die Situation in früheren Tarifrunden, in denen auch nur durch massive Streiks nach vielen Monaten ein Tarifergebnis möglich war. Wir wollen deshalb frühzeitig die Signale an die Arbeitgeberseite senden, dass eine Hinhaltetaktik nicht zum Erfolg führen wird“, so Mette zur Begründung der landesweiten Warnstreikserie. "Wir hatten schon im Mai vor dem Auslaufen des Tarifvertrages angeboten, zu verhandeln." Das hätten die Unternehmer jedoch verweigert. Der Gewerkschafter bedauert, dass die Verkehrsunternehmen nicht bereit sind, am Verhandlungstisch nach Lösungen zu suchen, sondern bereits im Juni (!) ihre Unternehmen auf Arbeitskampfmaßnahmen eingestimmt hätten. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück (wie in Einzelfällen geschehen), auf bezahlte Streikbrecher zu setzen.
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Die Behauptung des Omnibusverbandes Nord, ohne die Lohnunterschiede gäbe es keinen Wettbewerb, ist für die Beschäftigten unerträglich. Es bedeutet, dass der Wettbewerb ausschließlich auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgetragen wird.“Bei einem Kaufkraftverlust der Beschäftigten von über 4 % bedeutet das, die Beschäftigten bringen noch etwas mit“, erklärt Gerhard Mette. „Sie verlieren jedes Jahr weitere zwei Prozent.“Insgesamt hat der Omnibusverband Nord nach eigenen Angaben eine Mitgliederzahl von 115 Fuhrunternehmen. Die Zahl der Beschäftigten liegt laut Gewerkschaft zwischen 1000 und 1500. Sie sei schwierig zu ermitteln, weil viele Kleinstbetriebe nur Gelegenheitsdienste anböten. Alle anderen Busbetreiber außerhalb des OVN zahlten Tariflöhne in Anlehnung an den TV-N, der in den Städten Kiel, Lübeck und Flensburg gilt. Die Tarifverhandlungen sollten am 28. November fortgesetzt werden.          
     
      (gst)