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Bundestagswahl in Kiel:

SPD-Hochburg war einmal

Als diese LinX produziert und des Nachts per E-Mail in die Druckerei geschickt wurde, lag noch kein Endergebnis der Bundestagswahl vor. Der Redaktionsschluss fiel mit der Schließung der Wahllokale zusammen. Klar war nur, dass die FDP aus dem Bundestag geflogen ist, die Rechtspopulisten der AfD es nicht geschafft haben und die Union die relative Mehrheit der Stimmen für die Verteilung der Bundestagssitze knapp verfehlt hat. Doch die Landkarte der Wahlkreise färbte sich schwarz und schwärzer, sodass offen blieb, ob vielleicht Überhangmandate Merkel doch noch zu einer knappen Mehrheit im Bundestag verhelfen würden. Das wäre dann für die Union das erste Mal seit den 1950ern.

Wie dem auch sei, auch in Schleswig-Holstein eroberte die CDU alle bis auf zwei Direktmandate. Nur Kiel und Lübeck fielen an die SPD, aber in Kiel erhielt der Bundeswehr-Fan Hans-Peter Bartels die relative Mehrheit (43 Prozent der abgegebenen Stimmen), also nichts was einen freudig stimmen müsste. Bartels wurde zum fünften Mal gewählt. 1998, 2002 und 2005 hatte er jeweils eine absolute Mehrheit erhalten, 2009 bekam er nur noch 38,3 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei 71,4 Prozent, also um 1,2 Prozentpunkte niedriger als 2009. An Zweitstimmen hat die SPD in Kiel 34,7 Prozent bekommen, gut fünf Prozent mehr als 2009, aber für ihre Verhältnisse immer noch ein lausig schlechtes Ergebnis. 2005 hatten die Sozialdemokraten noch 41,5 Prozent erzielt, und schon das gehörte seinerzeit nicht gerade zu ihren Spitzen-Ergebnissen. Die Zeiten, in denen Kiel eine ausgesprochene SPD-Hochburg war, gehen zu Ende. (Seit 2002 gehören zum Bundestagswahlkreis Kiel auch die Gemeinden Altenholz und Kronshagen.)

Die Grünen haben in Kiel 14,1 Prozent bekommen, rund dreieinhalb Prozent weniger, als zuletzt im Mai zur Kommunalwahl, aber deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Die Linkspartei konnte in Kiel 10.017 Wähler mobilisieren, was ihr einen Anteil von 6,9 Prozent brachte. Das sind 2,5 Prozentpunkte weniger als noch vor vier Jahren – womit der Rückgang unter dem Bundesdurchschnitt liegt – aber immerhin noch deutlich mehr als die 3,5 Prozent, die sie bei den Kommunalwahlen im Mai bekommen hatte. Die NPD blieb mit 0,6 Prozent erfreulich klein und auch die AfD schnitt in Kiel mit 3,7 Prozentpunkten unter dem Bundesdurchschnitt ab.

(wop)

   

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