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Wir dokumentieren einen Leserbrief aus den Kieler Nachrichten:

Mehr Rüstung bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit

Warum hat sich in den letzten fünf Jahren auf dem MFG-5-Gelände in Kiel so wenig getan? Gibt es Planungsprobleme oder Probleme mit eventuellen Investoren? Das ist gut möglich.
Es ist aber auch gut möglich, dass die Marine beziehungsweise der Bund die Liegenschaft seinerzeit unter dem Vorbehalt des Rückkaufs veräußert hat. Hat sich dadurch die Realisierung eines Bebauungsprojektes auf dem begehrten Grundstück an der Förde verzögert und erschwert? Unter Hinweis auf eine geänderte Bedrohungslage, mit der zwischenzeitlich jegliche soziale Grausamkeit gerechtfertigt wird, wird die Bevölkerung auf Kriegstüchtigkeit getrimmt – so auch im Falle einer eventuellen Rückgabe des dringend benötigten Bebauungsgrundstücks in Holtenau. Militärischer Ausbau statt Wohnraum!
Dass der Kieler SPD-Ratsfraktionsvorsitzenden in diesem Zusammenhang nichts Besseres einfällt, als einen fairen Rückkaufspreis zu verlangen, zeugt nicht von politischer Weitsicht. Will man die Bevölkerung in Sicherheit wiegen, dass nur eine unbezahlbare Aufrüstung Sicherheit bietet? Am Ende des letzten Weltkriegs war Kiel (als Rüstungsschmiede) kaum bewohnbar. In wenigen Tagen wird der ersten Atombombenabwürfe gedacht.
Wer genug Fantasie hat, mag sich ausmalen, wie der nächste große Waffengang enden könnte: in einem unvorstellbaren Inferno und einem unbewohnbaren Europa. Im Zeitalter der (atomaren) Massenvernichtungswaffen gilt nicht mehr: „Willst du den Frieden, rüste zum Krieg.” Das stimmte schon in römischer Zeit nicht, und heute erst recht nicht.
Heute muss gelten: „Willst du den Frieden, musst du den Frieden vorbereiten.“ Wer glaubt, dass mehr Rüstung mehr Sicherheit schafft, ist auf dem Holzweg. Kiel sollte sich an die eigene Nachkriegszeit erinnern und zivile Wohnprojekte nicht einem fragwürdigen militärischen Projekt opfern.

Benno Stahn, Kiel