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Die Zukunft verkauft
Die Kieler Ratsparteien haben beschlossen, dass die BürgerInnen nicht über den Verkauf des geplanten Stadtteils Holtenau Ost entscheiden dürfen. Wenn die Bundeswehr kommt spielt die Demokratie keine Rolle mehr. Dabei ist das ehemalige MFG-5-Gelände Kiels einzige Entwicklungschance für alle, für Freizeitgestaltung mit Wasserzugang, Chance auf sozialen Wohnungsbau, Gewerbe, Sommertheater, Skaterpark, Jugendtreff, Bootsliegeplätzen und natürliche Umgebung. Das Gelände ist für viele Menschen weit mehr als ein Freizeitort: Es ist Treffpunkt, Rückzugsort und für einige auch ein niedrigschwelliger Zugang zu Gemeinschaft. Außerdem ein begehrter Ausflugsort für Kielerinnen und Kieler und eine viel genutze direkte Verbindung zwischen den Stadtteilen Holtenau und Friedrichsort.
Ausgerechnet hier die Eckernförder Kampftruppen des Seebataillon anzusiedeln ist eine Provokation. In der Eckernförder Bucht trainieren sie regelmäßig per Helikopter oder Buster-Speedbooten fremde Schiffe zu entern. Mit Hubschraubern trainieren Soldaten das sogenannte Fast Roping, ein schnelles Abseilen auf ein Schiff. Mit bewaffneten Boarding-Operationen mitten im Kieler Hafen zu üben, ist gefährlich und unzumutbar.
Dabei hat die Bundesmarine jetzt schon sehr viel Platz und Lebensraum am Wasser in Beschlag genommen. Der Marinestützpunkt mit der Gorch Fock, Tankern, Einsatzgruppenversorgern, Fregatten und Spionageschiffen beansprucht in der Wik eine große Hafenfläche, die auch zur Ausrüstung der NATO dient. Das Marinearsenal auf dem Ostufer sollte eigentlich vor ein paar Jahren geschlossen werden. Ellerbeker freuten sich auf den Zugang zum Wasser, wie es einst der älteste Fischereihafen in Kiel war. Dann wurde das Marinearsenal wieder reaktiviert, um die Schiffe der Marineflotte auszurüsten. Hier ist viel Platz und alles bereits mit hohen Zäunen abgeriegelt. Es wäre ein idealer Standort für das Seebataillon. Warum wird es hier nicht angesiedelt?
Fehlt noch das Munitionsdepot zwischen Möltenort und Laboe zu erwähnen, das größte Bunkergelände der Bundeswehr an der Förde. Und noch die Entmagnetisierungsanlage in einem Sperrgebiet vor der Friedrichsorter Enge. Was will die Bundeswehr noch mehr? Mit den Rüstungsbetrieben ist die ganze Förde bis auf Falckenstein militärisch besetzt. Im Rahmen der zunehmenden Kriegsertüchtigung eine bedrohliche Zukunft. (uws)

