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Kiel:

Protest gegen Bundeswehr-Roadshow

Zwei Wochen lang protestierte das Kieler Friedensforum mit Plakaten und einem Info-Tisch gegen KA.R.L, „Karriereberatung, Roadshow und Lounge“, ein mobiles Pop-up-Projekt zur Rekrutengewinnung.

Ausgerechnet am Antikriegstag, dem 1. September 2026, bauten Soldaten in Flecktarn an der Kiellinie ihre Rekrutierungsshow auf: einen riesigen Raketenwerfer mit aufgerichteter Abschussschiene, Glascontainer mit gemütlichen Clubsesseln, Plakate, die den Umgang mit Artilleriemunition als Abenteuer darstellten oder für eine Karriere in der Heereslogistik warben.

Genau gegenüber hingen die Plakate der DFG-VK mit Slogans wie „Kein Werben fürs Sterben“ und „Frieden schaffen ohne Waffen“, in der Mitte der Info-Tisch.
Das Wetter war mäßig bis schlecht, weswegen außer den Fähre-Passagieren die Zahl der Passanten recht begrenzt war. Erfreulich, dass von denen wiederum viele den Weg zum Info-Stand fanden mit aufmunternden Sätzen wie „Toll, dass ihr das macht“ und „Gut, dass es euch gibt“. So waren auch die Flugblätter gegen den „Circus Pistori“ zum Ende der zweiwöchigen Protestaktion so gut wie alle verteilt.

Nur wenige begaben sich hingegen in die Glascontainer Lounge der Bundeswehr. Das aufgestellte Turngerät für Klimmzüge wurde nicht einmal frequentiert, so dass die Soldaten sich schließlich mehr oder minder erfolgreich selbst daran versuchten. Einige Familien mit kleinen Kindern bewegten sich geradewegs zum Raketenwerfer, wo sie ihre Drei- bis Fünfjährigen an das Steuer des Monstertrucks setzten.

Ansonsten schienen die Soldaten sich sehr zu langweilen, verteilten kleine Geschenke (Blumensamen im Flecktarntütchen) oder kamen zum Info-Stand, um über Krieg und Frieden und Politik zu diskutieren.

Am letzten Freitag gab es etwas Abwechslung: Ein Feuerwehrwagen rückte an, um die Glaswände der Lounge zu reinigen. Die waren in der Nacht mit Äpfeln und Apfelmus beworfen worden. Kosten des Einsatzes: ca. 200 Euro. Minimaler Abzug vom Sondervermögen.

Alles in allem verlief die Protestaktion vom Friedensforum friedlich. Manch gutes Gespräch wurde geführt. Manch einer der Soldaten wird sich vielleicht überlegen, ob er nachträglich verweigert, manch ein junger Passant kommt vielleicht zur Beratung für Kriegsdienstverweigerer. (bm)

   
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