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Kiel-Gaarden:

Nach 40 Jahren wieder ein Kultur-Café

Eine außergewöhnliche Gesprächsrunde „Medusa – von der Hinterhofschmiede zum Kulturort“ fand am Abend des 25. September 2026 im Medusahof in der Medusastraße 16 in Kiel Gaarden statt. Anwesend waren junge kulturell Interessierte, aber auch viele „Urgesteine“, die an diesem Ort im Laufe ihres Lebens Zeit verbracht hatten.

Bevor Mia Fyu vom „Netzwerk für revolutionäre Ungeduld“ das neue Projekt vorstellte, gab sie zunächst einen Rückblick in die Geschichte des 1912 als Industrieschmiede errichteten Gebäudekomplexes, in deren „Pferdestall“ das Treffen stattfand. Aus der Zeit der Schmiede sind noch Werkzeuge und Maschinenteile erhalten. Das im 2. Weltkrieg anscheinend unversehrte Gebäude diente in der Nachkriegszeit als Tischlerei, dann wechselten die Werkstätten und zeitweilig stand es leer, bis 1985 zwei junge Leute aus Probsteierhagen, Martha Deegen und Harald Mücke, auf die Idee kamen, hier ein Kulturcafé zu eröffnen.

Es entstand das Malik-Café mit wöchentlichem Kulturprogramm, Lesungen und Konzerten, im Medusahof, inmitten einer Hofgemeinschaft mit Läden für Schallplatten, Second-Hand-Kleidung, Spielzeug, Biolebensmittel und einem Studio für orientalischen Tanz. Manche der Anwesenden erinnerten sich an die Anfänge, die Überzeugungsarbeit beim Ortsbeirat, die praktische Hand beim Ausbau, die illustre Gestaltung der Plakate, die Konzerte und Lesungen mit AutorInnen wie Rafik Shami und Elfriede Brüning.

Obwohl ein beliebter Treffpunkt mit gut besuchten Veranstaltungen, scheiterte das Projekt nach etwa zwei Jahren, da es sich mit rein ehrenamtlicher Arbeit nicht mehr aufrecht erhalten ließ. In den 90er bis 2010er Jahren gab es mehrere Anläufe, wieder ein Café zu etablieren, auch verschiedene Nutzungen, u. a. als Buchladen, Tanzstudio und für Kunstausstellungen, bis es zuletzt während der Corona Krise als Unterkunft für Obdachlose diente.

Im zweiten Quartal 2026 hat nun das „Netzwerk für revolutionäre Ungeduld“ die derzeit brachliegenden Räume, die im Laufe der Zeit noch erweitert wurden, und zu denen ein c.a. 500 m² großer Garten erschlossen wurde, angemietet, um hier einen erneuten Kulturort mit „niedrigschwelligem Zugang zu Kunst und Kultur“ zu ermöglichen. In Kooperation mit anderen Organisationen wie ZBBS, ZEIK und dem „Büro soziale Stadt“ in Gaarden soll hier ein Projekt mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten entstehen, wie z. B. Konzerte, Theater, Lesungen, Diskursveranstaltungen und Nachbarschaftstreffen mit gastronomischer Begleitung. Hier sieht Martha Deegen den roten Faden des einstigen Projekts aus den 80ern, und diesmal stehen die Chancen besser, denn neben viel ehrenamtlicher Hilfe gibt es auch eine bezahlte Stelle für die Projektleitung sowie eine Stelle auf Minijob-Basis und die finanzielle Förderung der Stadt Kiel.
Wer beim Projekt mitwirken oder eine Kulturveranstaltung anbieten möchte, kann sich melden unter: info@ungeduld.net
(bm)

   
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