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Angriff auf die Energiewende

01. Februar 2014 Die neue Koalition in Berlin macht ernst. Das Erneuerbare-Energiengesetz (EEG) soll im Eiltempo umgeschrieben und diverse Hürden für den raschen Ausbau der sauberen Energieträger errichtet werden. Geplant ist unter anderem eine Höchstgrenze für den jährlichen Zubau der Windenergie, wie es sie seit eineinhalb Jahren bereits für die Solarenergie gibt. Außerdem soll auch für Windstrom die Vergütung künftig von Jahr zu Jahr abgesenkt werden. Jeweils für Neuanlagen.

Bei der Solarenergie ist das zwar schon jetzt der Fall, aber die ist auch immer noch teurer und ihre Technik hat noch immer ein erhebliches Potenzial zur Verbesserung und damit zur Verbilligung. Auch in der Windindustrie ist technologisch noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Jedoch geht dort die Entwicklung langsamer. Außerdem variiert bei Windkraftanlagen der Ertrag von Jahr erheblich stärker als bei Solaranlagen. Ihr Betrieb ist also ökonomisch riskanter. Schließlich sind die Vergütungen für Windstrom schon jetzt auf einem Niveau, der im Preisbereich neuer Kohlekraftwerke liegt. Sieben bis elf Cent kostet der Strom aus einem neuen Gas- oder Kohlekraftwerk pro Kilowattstunde, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium, wenn die Investitionskosten eingerechnet werden. Für Strom aus einer Windkraftanlage gibt es in den ersten fünf Jahren je nach Standort 8,93 bis 9,41 Cent pro Kilowattstunde gezahlt. Danach wird nur noch 4,87 Cent pro Kilowattstunde gezahlt. Wird eine alte durch eine neue Anlage ersetzt, wird die Vergütung für die ersten fünf Jahre um einen halben Cent erhöht. Wie man sieht, ist die Windkraft nicht gerade ein Kostentreiber. Auch die Solarenergie nicht unbedingt. Für Strom aus Neuanlagen gibt es seit dem 1. Januar je nach Anlagengröße 9,47 bis 13,58 Cent pro Kilowattstunde. Jeweils zum Monatsersten sinken die Vergütungen für später errichtete Anlagen weiter.

Wie man sieht, ist der Strom aus Neuanlagen gar nicht mehr so viel teurer, als der aus herkömmlichen Kraftwerken. Um den weiteren Strompreisanstieg aufzuhalten, muss die Energiewende also nicht ausgebremst werden. Es geht um etwas anderes: Den großen Stromkonzernen ist die Energiewende in Bürgerhand, wie sie sich zum Beispiel in vielen Windparks in Schleswig-Holstein manifestiert, ein Graus. Sie verlieren Marktanteile und Gewinne. Die große Koalition ist angetreten, diese Entwicklung aufzuhalten.      

(wop)