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Nato-Hausmeister Krause und der Traum vom Frieden:

Schlichte Weltsicht

Krause

Foto:gst

01. Dezember 2014 Gleich zweimal in einer Woche konnte Professor Joachim Krause vom “Institut für Sicherheitspolitik” an der Universität Kiel im November in öffentlichen Vorträgen seine Weltsicht vor einem größeren öffentlichen Publikum ausbreiten. Am 18.11. war er Gast der Heinrich-Böll-Stiftung und vermittelte seine Sicht auf den islamischen Staat (IS) als globaler Bedrohung. Und am 21.11. gastierte er bei der “Night of the Profs”, zu der die CAU Kiel jedes Jahr öffentliche Vorträge aus unterschiedlichsten Fachbereichen unter einem bestimmten Stichwort organisiert. Diesmal lautete das Stichwort “Träume”. Dementsprechend hatte sein Vortrag den Titel: “Der Traum vom Frieden und die gegenwärtige internationale Lage”. Er leitete ihn ein mit den weisheitsvermittelnden Worten, dass man sich bei der Analyse des konflikthaften Weltgeschehens vor Einseitigkeit hüten müsse und keine Feindbilder produzieren sollte sondern auf die komplexe Realität zu schauen hätte. Was dann jedoch folgte, war auch hier die Widerlegung dieser Position. Symbolisch für die eigentliche Botschaft des Krause war dann auch die kleine Szene, als zwei Aktivistinnen – immerhin – sich neben die Bühne mit einem Transparent stellten, das die Aufschrift “Nein zum Krieg” trug. Eine Aussage, die gar mit etwas Applaus aus dem Publikum bedacht wurde. Herr Krause jedoch quittierte den Einsatz – ungewollt passend – mit einem “Na, was ist das wieder für ein Blödsinn?” (NATO-Hausmeister Krause an der Kieler Uni http://www.maskenfall.de/?p=7000#more-7000

Am konkreten Beispiel exerzierte Krause sein Politik- und Wissenschaftsverständnis auf der Veranstaltung der Böll-Stiftung zum Islamischen Staat. „Der Islamische Staat als globale Bedrohung? Mit militärischer Aggression und unglaublicher Brutalität schockiert der so genannte „Islamische Staat (IS)“ die Weltöffentlichkeit. (…) Die Suche nach den Ursachen lenkt den Blick auf religiösen Fanatismus, regionale Machtansprüche und globale strategische Interessen unterschiedlicher Akteure, aber auch auf gesellschaftliche Zustände und auf Menschen ohne Zukunftsperspektiven.“ - so warb die Heinrich-Böll-Stiftung zu einer Veranstaltung im International Center der Christian-Albrechts-Universität. Was nun die Beweggründe für die grünen-nahe Stiftung waren, Krause einzuladen und auf Erkenntnisgewinn in Sachen IS-Terrors zu hoffen, ist bestenfalls als naiv zu bezeichnen.

Die Veranstaltung bestach – wie nicht anders zu erwarten - durch ihre politische Eindimensionalität, die weit davon entfernt war, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Auf seine Quellenlagen angesprochen, verwies Krause „auf intensive Internet-Recherchen und renommierte Informationsdienste“ womit er wohl in erster Linie US-amerikanische Geheimdienstquellen meinte. Im ersten Teil seines Vortrages bot er im wesentlichen einen Diavortrag über die Grausamkeiten des IS an, heruntergeladen aus öffentlich zugänglichen Medien. Im zweiten, dem „Analyse-Teil“, wurde alles seinem schlicht-gestrickten Weltbild untergeordnet, nach dem der Westen – und dieser vor allem in Gestalt der NATO und der USA – per se der Gute im weltpolitischen Handeln ist und sich gegenwärtig des islamischen Terrors der arabischen Welt und der imperialen Machtgelüste Russlands und Chinas erwehren müsse.

Entstehung, Bewaffnung und Finanzierung des IS bleiben so bei ihm im Dunkeln (was die Finanzierung anbelangt, so sieht er dies über den Verkauf von Erdöl und Antiquitäten und Unterstützung privater Geldgeber der arabischen Welt geleistet), historische und geostrategische Erwägungen bleiben weitgehend außen vor. Stattdessen wird lieber psychologisiert – so, wenn er die Politik der Türkei zu erklären sucht („Erdogan betreibt aufgrund seiner persönlichen Enttäuschung über seinen früheren Freund Assad nun dessen Sturz“). Krauses Lösungsvorschlag für eine Befriedung des nahen Ostens: Die USA müssten mit 200.000 Mann Bodentruppen dort einmarschieren und dem IS und Assad den Garaus machen. Da die USA dies nicht tun werden, könne sich der Konflikt noch Jahrzehnte hinziehen – mit ungewissem Ausgang für „die freie Welt“. Zusätzlich sieht er die Gefahr, dass sich Al Quaida (als Konkurrent zum IS) sich mit einer spektakulären Aktion in den USA oder Europa wieder in Erinnerung bringen könne.
Kritische Einwände und Fragen zu seinen Darlegungen wurden von ihm allesamt ins Reich der Verschwörungstheorien verwiesen. Dabei ficht ihn nicht an, dass kürzlich selbst US-Vizepräsident Joseph Biden einräumte, dass sowohl die Türkei als auch Saudi-Arabien und die Golfstaaten an dem Aufbau und der Ausrüstung extremistischer Gruppen wie der Al-Nusra-Front und dem ISIL beteiligt waren. Die eigenen Verbündeten seien das größte Problem gewesen, sagte Biden vor Studierenden der Kennedy School an der Harvard-Universität. „Türken, Saudis, die Emirate“ seien „so entschlossen gewesen, Assad zu stürzen und einen sunnitisch-schiitischen Stellvertreterkrieg zu starten“, dass sie „Hunderte Millionen Dollar und Tausende Tonnen Waffen in jeden investiert haben, der gegen Assad kämpfen wollte.“

Verteilt wurde auf der Veranstaltung am 18.11. eine Dokumentation vom Dezember 2013 mit dem Titel "lslamfeindlichkeit – Gegenstrategien und Handlungsbedarfe in Schleswig-Holstein", in der für ein differenziertes Bild des Islam und der arabischen Welt geworben wurde. Herausgeber ist – neben vielen anderen wie z.B. dem Flüchtlingsrat und der Rosa-Luxemburg-Stiftung auch die Heinrich-Böll-Stiftung. Wer nun – ein Jahr später - einen Joachim Krause als Experten für den "Islamischen Staat" einlädt, sollte eigentlich wissen, dass dabei statt Aufklärung lediglich platte Propaganda geboten wird.

Wer Interesse an fundierten Aussagen zum IS und zur Situation im Nahen Osten hat, sei auf eine Veranstaltung der schleswig.holsteinischen Friedensbewegung (ZAA) mit der junge-Welt-Autorin Karin Leukefeldt am 14.12. in Neumünster verwiesen. Am Tag zuvor findet in Hamburg eine Friedensdemo statt: Hamburg 13. Dezember 2014, Kriegsklotz (S-Bahn Dammtor) Beginn: 13 Uhr, Ende: ca. 15 Uhr auf dem Hansaplatz in St. Georg (Nähe Hbf)

(gst)