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Bilder: gst

01. August 2015 Stadtrat Gerwin Stöcken (SPD) war verärgert. Hatte doch der LINKE-Abgeordnete Stefan Rudau gefordert, für das am 20. Juli eröffnete Freibad Katzheide keinen Eintritt in dieser Saison zu nehmen. Hintergrund ist das eingeschränkte Angebot, da nur das Nichtschwimmer-becken repariert werden konnte oder sollte.Um das Schwimmerbecken ist nämlich ein Zaun gezogen. Dort nämlich war laut Stadt ein Schimmelbefall festgestellt worden. Das rot-grün-blaue Ratsbündnis begründete seinen Vorstoß, die Preise um 50 Prozent zu senken – nach dem Motto „Halbes Freibad – halbe Preise“. Das entspreche dem gesunden Menschenverstand, sprang SPD-Sportpolitiker Torsten Stargars seinem Stadtrat bei und bescheinigte Rudau in einem Seitenhieb „einen griechischen Standard: Alles umsonst, möglichst viel und das für immer.“Am Ende stand Rudau allein. Alle anderen billigten den Antrag, nur noch den halben Preis zu verlangen.

Schon im Vorfeld der Ratsversammlung hatte der Verein „Katzheide Ja“ der Stadt vorgeworfen, die Eröffnung des Freibades zu verzögern, die Öffentlichkeit unzureichend zu informieren und die Reparaturkosten viel zu hoch anzusetzen. Schon Wochen vor Beginn der Sommerferien waren die Becken für Schwimmer und Nichtschwimmer gefüllt gewesen, die Filter liefen und die Folie hielt auch dicht. Aber: Die Türen blieben geschlossen und das bei teilweise brütender Hitze.

Pastor Uwe Hagge von der Sozialkirche in Kiel-Gaarden: Überall werde darüber geklagt, dass die Sozialarbeit in Kiels Multikulti-Stadtteil Gaarden Millionen verschlinge. „Hier könnte Sozialarbeit fast für umsonst geleistet werden, indem man das Schwimmbad erhält und Jung und Alt wissen, wo sie bei dieser Hitze hinkönnen“. Das habe etwas mit „Völkerverständigung, sozialer Selbsthilfe und natürlicher Freizeitgestaltung zu tun“, so Hagge. (shz 4.7.15)

Ursprünglich hatten die Rathaus-Politker nämlich versprochen, Katzheide erst zu schließen, wenn der 26-Millionen-Euro-Neubau an der Hörn fertig gestellt ist. Doch eine echte Alternative wird das neue Erlebnisbad für sonnenhungrige Kieler, denen Geld oder Zeit für den Ausflug an den Ostseestrand fehlen, ohnehin nicht. Während Katzheide über 13 Hektar Liegewiesen verfügt, auf denen sich an Sonnentagen hunderte Familien und Jugendgruppen aalen, wird das neue Schwimmbad über knapp 2000 Quadratmeter verfügen. Das entspricht zwei mittelgroßen Baugrundstücken für Einfamilienhäuser.

Und statt 2000 Quadratmeter Wasserfläche, wie sie Katzheide bietet, entsteht im neuen Bad ein einziges Außenbecken von zwölf mal 16 Metern – was 192 Quadratmetern entspricht. Da sind die Privat-Pools in den Gärten gut situierter Kieler ja größer. Seit 8. Juli läuft läuft das zweite Bürgerbegehren der Kieler Stadtgeschichte. „Sind Sie für den Erhalt des Schwimmbades Katzheide?“ lautet die entscheidende Frage. Im nächsten halben Jahr müssen 7800 Einwohner Kiels (4 Prozent der Wahlberechtigten) den Appell mit ihrer Unterschrift mittragen – dann muss die Stadt einen offiziellen Bürgerentscheid abhalten. Einmal hat sie es bisher getan: 52,5 Prozent der Wähler sprachen sich im Frühjahr 2014 für die Ansiedlung von Möbel Kraft aus – 47,5 Prozent waren dagegen.

Die Orte, an denen man seine Unterschrift für den dauerhaften Erhalt von Katzheide leisten kann sind einzusehen unter
http://katzhei.de/burgerentscheid/unterschriften-orte/


(gst)