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Heuchler und Hasardeure:

Die Bundesregierung will unbedingt in Syrien mitmischen

01. Januar 2016 Halten wir fest: 1. Die Zustimmung der syrischen Regierung, die man nicht sympathisch finden muss, die aber auf dem internationalen Parkett immer noch als die Vertreterin ihres Landes gilt, liegt nicht vor. Der Einsatz deutscher Kampfflugzeuge stellt also eindeutig eine Verletzung der syrischen Souveränität dar und die Regierungstruppen hätten ohne Zweifel das Recht, sie abzuschießen. Mag sein, dass hinter den Kulissen Stillhalten vereinbart wurde, aber sicher ist das nicht. 2. Es gibt gute und böse Kurden. Die bösen Kurden bekämpfen unter großen Opfern die Klerikal-Faschisten vom IS in Syrien und haben Zehntausende kurdischer Yeziden in Schengal gerettet. Außerdem haben sie dort mit den Yeziden Milizen aufgebaut, damit diese sich künftig verteidigen können. Für all das strafen wir sie mit Missachtung, und wenn unser Verbündeter humanitäre Transporte für den Wiederaufbau in Kobane nicht über die Grenze lässt, interessiert uns das nicht weiter, wie uns auch gelegentliche türkische Bombardements syrisch-kurdischer Stellungen nicht interessieren. Die richtig bösen Kurden sind die türkisch-kurdische PKK, die mit den syrischen Kurden eng verbündet ist und an der Rettung des Yeziden einen wichtigen Anteil hatte. Das sind Terroristen.

3. Die guten Kurden hingegen werden im Nordirak von einem Präsidenten regiert, den wir fleißig mit Waffen und Ausbildern beliefern. Dessen Soldaten haben, ähem, im letzten Jahr die Yeziden in Schengal in Stich, ihnen nicht einmal Waffen zurück gelassen und im Frühjahr 2016 einen ihrer militärischen Führer für mehrere Wochen inhaftiert, weil dieser für unabhängige yezidische Milizen eintritt. Die Amtszeit dieses Präsidenten der guten Kurden ist übrigens längst abgelaufen, doch von Neuwahlen hält er nicht so viel. Lieber lässt er auf Demonstranten schießen und dem Parlamentspräsidenten den Zugang zur irakisch-kurdischen Hauptstadt verwehren. Aber das interessiert uns auch nicht weiter. Gehört irgendwie alles nicht zu den Europäischen Werten. Denn immerhin arbeiten die guten Kurden ja bestens mit unserem Verbündeten zusammen. Sie holen türkisches Militär ins Land – das gleichzeitig die bösen und die ganz bösen Kurden bombardiert – und es stört weder die guten Kurden noch uns, dass Bagdad, also die souveräne irakische Regierung, damit überhaupt nicht einverstanden ist. Die schiitischen Milizen sind ebenfalls ziemlich empört, und vielleicht entwickelt sich das Ganze ja noch zu einer kriegerischen Dreiecksbeziehung. Das wäre dann sozusagen nachhaltige Exportpolitik für die deutsche Rüstungsindustrie. Alles klar? Da sage doch noch mal einer, Mutti sei nicht weitblickend.     

(wop)