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Zum Tarifabschluss bei der Postbank

01. August 2013 In den Tarifverhandlungen für eine neue Entgeltstruktur und mehr Entgelt für die 5.500 Tarifbeschäftigten bei der Postbank Filialvertrieb AG konnte Anfang Juli eine Einigung erzielt werden. In der Pressemitteilung von ver.di heisst es dazu: „Die Tarifbeschäftigten bekommen ab dem 1. Februar 2014 drei Prozent mehr Geld. Zeitgleich mit der tabellenwirksamen Erhöhung tritt zum 1. Februar 2014 eine neue Entgeltstruktur in Kraft, die übergeleiteten Beschäftigten bis zu neun Prozent mehr Entgelt und deutlich bessere Perspektiven bietet. Im September 2013 erhalten die Tarifbeschäftigten eine Einmalzahlung von 300 Euro. Die Ausbildungsvergütung wird ab 1. Februar 2014 um monatlich 75 Euro erhöht.
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Der Tarifabschluss hat eine Laufzeit von 19 Monaten bis zum 31. Dezember 2014. Ebenso konnte der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen um weitere zwölf Monate bis zum 31. Dezember 2014 verlängert werden. Im Zuge der Verhandlungen wurde auch die so genannte Postbankzulage, eine unternehmensspezifische Regelung zu den Sonderzahlungen für die rund 4.000 Beamten des Unternehmens, bis zum 31. Januar 2015 verlängert.“ Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis würdigte den Abschluss als „ein hervorragendes Ergebnis”. Differenzierter bewertet Volker Metzroth in der UZ (Zeitung der DKP) das Tarifergebnis. Er schreibt u. a.: „Die Postbank, die im ersten Quartal 2013 ihren Gewinn auf 66 Mio. Euro erhöhte, ist mit ca. 20.000 Beschäftigten nach der Personalstärke die fünftgrößte, nach der Bilanzsumme (170 Mrd.) die zehntgrößte Bank in Deutschland. Zu ihr gehört mit dem BHW (Beamtenheimstättenwerk) die fünftgrößte private Bausparkasse im Land. Das Sagen hat aber die Deutsche Bank über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Sie hält rund 93% der Aktien des früheren „Sondervermögens“ des Bundes, das nach der Postprivatisierung 1995 an private Profiteure verscherbelt wurde.
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Die Postbank Filialvertrieb AG beschäftigt 9.500 Kolleginnen und Kollegen, darunter noch 4.000 Beamtinnen und Beamte. Für die 5.500 Angestellten verlangt ver.di 6,5% mehr Lohn und plus 75 Euro monatlich für die Auszubildenden. Für die 4.000 Beamteten fordert ver.di eine Fortschreibung der Postbankzulage. Diese bringt die nicht üppigen Verdienste der „Staatsdiener“ etwas näher an bankübliche Gehälter heran. Ansonsten bekämen sie wie alle Bundesbeamten zum 1.8.2013 gerade mal 1,2% mehr, nicht mal einen Inflationsausgleich. Erschwerend für die Beschäftigten und ver.di ist, daß auch 18 Jahre nach der Privatisierung 4.000 KollegInnen hier in einer arbeitsrechtlichen Parallelgesellschaft gehalten werden, in der ihnen wesentliche Arbeiter- und Gewerkschaftsrechte, u. a. das Streikrecht vorenthalten werden. Sie schuften aber für den Profit der Anteilseigner der Deutschen Bank wie andere Bankangestellte auch. Auch hier ist die Forderung nach einem umfassenden Streikrecht aktuell.“ 
(UZ, 12.7.2013)